Alle 114 Suren des Korans
Sure 85: Die Türme (Al-Burūdsch)
Sure 85 von 114, 22 Verse
Sure 85 heißt in der Fassung nach Henning "Die Türme", arabisch Al-Burudsch, und hat 22 Verse. Sie gilt als mekkanisch und erzählt von den Gefährten des Grabens, die Gläubige verbrannten. Wer damit gemeint ist, deuten Überlieferung und Forschung unterschiedlich.
1 Bei dem Himmel mit seinen Türmen
2 Und dem verheißenen Tag,
3 Bei einem Zeugen und einem Bezeugten,
4 Getötet wurden die Gefährten des Grabens
5 Des brennstoffreichen Feuers,
6 Da sie an ihm saßen
7 Und Zeugen waren dessen, was man den Gläubigen antat.
8 Und sie rächten sich an ihnen allein darum, dass sie an Allah glaubten, den Mächtigen, Rühmenswerten,
9 Dessen das Reich ist der Himmel und der Erde; und Allah ist Zeuge aller Dinge.
10 Siehe diejenigen, welche die Gläubigen, Männer und Frauen, heimsuchen und danach nicht bereuen, ihnen wird die Strafe Dschehannams und die Strafe des Verbrennens.
11 Siehe diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, für sie sind Gärten durcheilt von Bächen; das ist die große Glückseligkeit.
12 Siehe, deines Herrn Rache ist wahrlich streng.
13 Siehe, er bringt hervor und lässt zurückkehren,
14 Und er ist der Verzeihende, der Liebende,
15 Der Herr des ruhmvollen Thrones,
16 Der tut, was er will.
17 Kam nicht zu dir die Geschichte der Heerscharen
18 Pharaos und Thamuds?
19 Doch die Ungläubigen erklären sie für Lüge;
20 Aber Allah umgibt sie von hinten.
21 Ja, es ist ein ruhmvoller Koran
22 Auf verwahrter Tafel.
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 85 heißt in der Fassung nach Henning "Die Türme", arabisch Al-Burudsch. Nach der Kairoer Zählung hat sie 22 Verse, und nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) ist sie mekkanisch [1, 7]. Ibn Aschur nennt sie nach der Zusammenfassung bei Quran.com einhellig mekkanisch und zählt sie in der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung als 27. Sure, nach Sure 91 und vor Sure 95 [1]. Theodor Nöldeke rechnete sie 1860 zur ersten mekkanischen Periode [4], Angelika Neuwirth stellt sie mit den Suren 82, 81, 84 und 86 in eine Gruppe [3]. Zitiert wird nach der Übersetzung von Max Henning, Reclam, Leipzig 1901 [6].
Inhalt im Überblick
Im Mittelpunkt steht eine kurze Erzählung von Verfolgten und Verfolgern.
- Verse 1 bis 3: Schwur beim Himmel mit seinen Türmen, beim verheißenen Tag, bei einem Zeugen und einem Bezeugten.
- Verse 4 bis 9: Die Gefährten des Grabens saßen an einem Feuer und sahen zu, was man den Gläubigen antat, allein weil diese an Allah glaubten.
- Verse 10 und 11: Wer die Gläubigen heimsucht und nicht bereut, dem droht die Strafe; wer glaubt und das Rechte tut, dem sind Gärten verheißen.
- Verse 12 bis 16: Allah bringt hervor und lässt zurückkehren, er ist der Verzeihende und Liebende und tut, was er will.
- Verse 17 bis 22: Hinweis auf die Heerscharen Pharaos und Thamuds; der Koran steht auf einer verwahrten Tafel.
Die Erzählung beginnt mit den Worten: "Getötet wurden die Gefährten des Grabens / Des brennstoffreichen Feuers," (Sure 85,4 bis 5).
Wie die Sure verstanden wird
Die Auslegung fragt vor allem, was die "Türme" sind und wer die Gefährten des Grabens waren.
Klassische Auslegung
Mit den Türmen meinen nach Ibn Kathir unter anderem Ibn Abbas, Mudschahid, ad-Dahhak, al-Hasan, Qatada und as-Suddi die Sterne; at-Tabari (bei Ibn Kathir Ibn Dscharir genannt) dagegen bevorzugt die Stationen von Sonne und Mond, also zwölf Tierkreiszeichen [2]. Den Zeugen und den Bezeugten deutet ein Bericht von Abu Huraira auf den Freitag und den Tag von Arafat [2]. Für die Gefährten des Grabens bringt Ibn Kathir zwei Erzählungen. Die erste, nach Suhaib bei Ahmad und Muslim, handelt von einem Jungen, einem Mönch und einem König, der Gräben ausheben ließ für alle, die nicht zum alten Glauben zurückkehrten [2]. Die zweite, nach Ibn Ishaq, nennt Dhu Nuwas, einen König im Jemen, der die Leute von Nadschran, nach Ibn Ishaq Christen, zum Judentum rief und fast zwanzigtausend von ihnen tötete [2]. Zu Vers 10 zitiert er al-Hasan al-Basri: Allah rufe selbst solche Täter noch zur Reue [2].
Neuere muslimische Auslegung
Der Kommentar at-Tahrir wa-t-Tanwir stammt von Muhammad at-Tahir Ibn Aschur (1879 bis 1973), der an der Zaytuna in Tunis lehrte [5]. Nach der Zusammenfassung bei Quran.com liest er die Erzählung als Beispiel für die Verfolgung von Gläubigen und ihre Strafe und zugleich als Warnung an die Koraisch [1]. Die Verse 17 bis 20 versteht er als Trost für den Propheten und die Gläubigen, die Verse 21 und 22 als Aussage über die Wahrheit und Bewahrung des Korans [1].
Islamwissenschaft
Nöldeke schrieb 1860, Muhammad halte den Gläubigen hier das Beispiel von Frommen vor, die vor ihnen gepeinigt und getötet worden waren [4]. Gewöhnlich sehe man in ihnen die Christen, die Dhu Nuwas in Nadschran tötete; Abraham Geiger beziehe die Verse dagegen auf die drei Männer im Feuerofen aus dem Buch Daniel, eine Deutung, die schon al-Baghawi anführt, und Nöldeke hielt Geigers Lesart für die richtigere [4]. Die Verse 8 bis 11 hielt er wahrscheinlich für einen später von Muhammad selbst hinzugefügten Zusatz, weil sie länger sind und etwas anders reimen [4]. Sie steht im letzten Dreißigstel des Korans (Suren 78 bis 114), aus dem im Gebet bis heute oft rezitiert wird [3]. Ihre Nachbarn sind Sure 84 und Sure 86; verwandte Geschichten vergleicht die Seite Koran und Bibel.
- Organisation Surah Info: Al-Buruj. Quran.com (nach Tafsir Ibn Ashur). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Buruj Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Der Koran. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Bd. 1: Poetische Prophetie. Frühmekkanische Suren (Leseprobe). Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis und S. 77. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Qur'an translation of the week #36: The impact of standardization: Max Henning's 1901 Qur'an translation and its editors. GloQur (Johanna Pink). Stand 22.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.