Alle 114 Suren des Korans
Sure 86: Der Nachtstern (Aṭ-Ṭāriq)
Sure 86 von 114, 17 Verse
Sure 86 heißt in der Fassung nach Henning "Der Nachtstern", arabisch At-Tariq, und hat nach der Kairoer Zählung 17 Verse. Sie gilt als mekkanisch und begründet die Auferstehung mit der Erschaffung des Menschen: Wer ihn erschaffen hat, kann ihn wiederkehren lassen.
1 Bei dem Himmel und dem Nachtstern!
2 Und was lehrt dich wissen, was der Nachtstern ist?
3 Er ist das (mit seinem Strahl) durchbohrende Gestirn. (Flügel 2)
4 Siehe jede Seele hat über sich einen Hüter; (Flügel 3)
5 Darum schaue der Mensch, woraus er erschaffen. (Flügel 4)
6 Erschaffen wurde er aus ausfließendem Wasser, (Flügel 5)
7 Das herauskommt zwischen den Lenden und dem Brustbein. (Flügel 6)
8 Siehe er hat Macht ihn wiederkehren zu lassen (Flügel 7)
9 An jenem Tag, da die Geheimnisse geprüft werden, (Flügel 8)
10 Und dann wird er sein ohne Kraft und ohne Helfer. (Flügel 9)
11 Und bei dem Himmel mit seiner Wiederkehr (Flügel 10)
12 Und der Erde mit ihrem Sichauftun, (Flügel 11)
13 Siehe wahrlich es ist ein unterscheidendes Wort, (Flügel 12)
14 In dem kein Scherz ist. (Flügel 13)
15 Siehe sie planen eine List, (Flügel 14)
16 Und ich plane eine List. (Flügel 15)
17 Darum warte mit den Ungläubigen; ich will mit ihnen gemach warten. (Flügel 16)
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 86 heißt in der Fassung nach Henning "Der Nachtstern", arabisch At-Tariq. Nach der Kairoer Zählung hat sie 17 Verse, und nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) ist sie mekkanisch [1, 7]. Henning folgte weitgehend der Verszählung der Ausgabe von Gustav Flügel [6]; dort umfasst Vers 2 auch den heutigen Vers 3, deshalb hat die Sure bei ihm 16 Verse. Ibn Aschur zählt sie nach der Zusammenfassung bei Quran.com in der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung als 36. Sure und setzt sie vor das zehnte Jahr der Sendung des Propheten [1]. Theodor Nöldeke rechnete sie 1860 zur ersten mekkanischen Periode [4], Angelika Neuwirth stellt sie mit den Suren 82, 81, 84 und 85 in eine Gruppe [3].
Inhalt im Überblick
Zwei Schwüre gliedern die kurze Sure.
- Verse 1 bis 4: Schwur beim Himmel und beim Nachtstern, dem durchbohrenden Gestirn. Jede Seele hat einen Hüter über sich.
- Verse 5 bis 8: Der Mensch soll sehen, woraus er erschaffen wurde: aus ausfließendem Wasser. Wer ihn so erschuf, hat Macht, ihn wiederkehren zu lassen.
- Verse 9 und 10: An dem Tag, an dem die Geheimnisse geprüft werden, ist der Mensch ohne Kraft und ohne Helfer.
- Verse 11 bis 14: Schwur beim Himmel mit seiner Wiederkehr und bei der Erde, die sich auftut: Der Koran ist ein unterscheidendes Wort, in dem kein Scherz ist.
- Verse 15 bis 17: Die Gegner planen eine List, und Allah plant eine List. Der Prophet soll mit den Ungläubigen warten.
Vers 4 lautet: "Siehe jede Seele hat über sich einen Hüter;" (Sure 86,4).
Wie die Sure verstanden wird
Die Auslegung fragt vor allem, welcher Stern gemeint ist, wer der Hüter ist und wie die Verse über die Erschaffung zu lesen sind.
Klassische Auslegung
Ibn Kathir erklärt den Nachtstern als Stern, der nur nachts zu sehen ist; Qatada leitet den Namen davon ab [2]. Den Hüter in Vers 4 versteht er als Wächter von Allah, der jede Seele vor Unglück schützt, und verweist auf Sure 13,11 über die Engel, die den Menschen bewachen [2]. Das Wasser in den Versen 6 und 7 kommt nach seiner Erklärung von Mann und Frau, das Kind entstehe aus beidem; er beruft sich dafür unter anderem auf Ibn Abbas [2]. Vers 8 liest er als Beweis der Auferstehung: Wer die Schöpfung beginnen kann, kann sie auch wiederholen [2].
Neuere muslimische Auslegung
Ibn Aschur (1879 bis 1973) lehrte an der Zaytuna in Tunis; von ihm stammt der Kommentar at-Tahrir wa-t-Tanwir [5]. Nach der Zusammenfassung bei Quran.com sieht er die Sure als Antwort an Götzendiener, die die Auferstehung leugneten; sie führe dafür Beweise aus dem Kosmos und aus dem menschlichen Körper an [1]. Die Verse 13 und 14 liest er als Aussage, dass der Koran ein entscheidendes Wort und kein Scherz ist, die Verse 15 bis 17 als Trost und Zusage an den Propheten [1].
Islamwissenschaft
Nöldeke vermutete 1860, die ersten drei Verse deuteten an, dass die Sure nachts unter dem Eindruck eines hellen Sterns entstand [4]. Eine Überlieferung bei al-Wahidi, nach der Abu Talib beim Essen über eine Sternschnuppe erschrak, hielt er für unpassend, weil die Verse eher zu einem Planeten oder großen Fixstern passten [4]. In Neuwirths Bild der frühen Suren treten die letzten Dinge und die Schöpfung mit der Zeit gemeinsam hervor [3]; Sure 86 verbindet beides in den Versen 5 bis 8. Sie steht im letzten Dreißigstel des Korans (Suren 78 bis 114); diese Suren hört man bis heute oft im Gebet [3]. Mehr zur Schöpfung steht unter Schöpfung und Natur im Koran. Ihr geht Sure 85 voraus, auf sie folgt Sure 87.
- Organisation Surah Info: At-Tariq. Quran.com (nach Tafsir Ibn Ashur). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Tariq Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Der Koran. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Bd. 1: Poetische Prophetie. Frühmekkanische Suren (Leseprobe). Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis und S. 75 bis 76. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Qur'an translation of the week #36: The impact of standardization: Max Henning's 1901 Qur'an translation and its editors. GloQur (Johanna Pink). Stand 22.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.