Alle 114 Suren des Korans

Sure 87: Der Höchste (Al-Aʿlā)

Sure 87 von 114, 19 Verse

Sure 87 heißt in der Fassung nach Henning "Der Höchste", arabisch Al-A'la, und hat 19 Verse. Sie gilt als mekkanisch und beginnt mit dem Auftrag, den Namen des Herrn zu preisen. Nach der Überlieferung trug der Prophet sie zusammen mit Sure 88 im Freitagsgebet und an den Festtagen vor.

1 Preise den Namen deines Herrn, des Höchsten,

2 Der geschaffen und gebildet,

3 Der bestimmt und leitet,

4 Der die Weide hervorbringt

5 Und sie zu dunkler Spreu macht.

6 Wir wollen dich (den Koran) lesen lehren, und du sollst nur vergessen,

7 Was Allah will; siehe er kennt das Offenkundige und das Verborgene.

8 Und wir wollen es dir zum Heil leicht machen,

9 Darum ermahne, siehe die Ermahnung nützt.

10 Ermahnen lässt sich, wer fürchtet,

11 Doch der Böswicht geht ihr aus dem Weg,

12 Er, der im größten Feuer brennen wird;

13 Dann wird er in ihm nicht sterben und nicht leben.

14 Wohl ergeht es dem, der sich reinigt,

15 Und der des Namens seines Herrn gedenkt und betet.

16 Doch ihr zieht das irdische Leben vor,

17 Während das Jenseits besser und bleibender ist.

18 Siehe wahrlich dies stand in den alten Büchern,

19 Den Büchern Abrahams und Moses'.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 87 heißt in der Fassung nach Henning "Der Höchste", arabisch Al-A'la; nach ihrem ersten Wort heißt sie auch "Sabbih" (Preise) [1]. Nach der Kairoer Zählung hat sie 19 Verse, und nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) ist sie mekkanisch [1, 7]. Ibn Aschur zählt sie nach der Zusammenfassung bei Quran.com in der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung als achte Sure, nach Sure 81 und vor Sure 92 [1]. Theodor Nöldeke rechnete sie 1860 zur ersten mekkanischen Periode [4], Angelika Neuwirth bespricht sie zusammen mit Sure 96 in der zweiten Gruppe der frühmekkanischen Suren [3]. Hennings Übersetzung, aus der die deutschen Verse stammen, erschien 1901 bei Reclam in Leipzig [6].

Inhalt im Überblick

Die Sure beginnt mit einem Lobpreis und endet mit einem Hinweis auf ältere Schriften.

  • Verse 1 bis 5: Der Prophet soll den Namen seines Herrn preisen, der erschafft, bestimmt und leitet und die Weide hervorbringt und verdorren lässt.
  • Verse 6 und 7: Zusage an den Propheten: Er soll lesen lernen und nur vergessen, was Allah will.
  • Verse 8 bis 13: Er soll ermahnen. Wer Allah fürchtet, nimmt die Mahnung an; wer ihr ausweicht, kommt ins größte Feuer.
  • Verse 14 und 15: Wohl ergeht es dem, der sich reinigt, des Namens seines Herrn gedenkt und betet.
  • Verse 16 bis 19: Die Menschen ziehen das irdische Leben vor, obwohl das Jenseits besser ist; das stand schon in den alten Büchern.

Die Sure schließt: "Siehe wahrlich dies stand in den alten Büchern, / Den Büchern Abrahams und Moses'." (Sure 87,18 bis 19). Wie der Koran von beiden erzählt, zeigen die Seiten Die Propheten im Koran und Mose im Koran.

Wie die Sure verstanden wird

Die Auslegung beschäftigt sich vor allem mit dem Gebrauch der Sure im Gebet und mit dem Vergessen in den Versen 6 und 7.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir überliefert von an-Nu'man ibn Baschir, dass der Prophet die Suren 87 und 88 in den beiden Festgebeten und am Freitag vortrug; Muslim und andere Sammlungen enthalten den Bericht [2]. Nach Ibn Abbas und Qatada sprach der Prophet beim Vortrag des ersten Verses "Preis meinem Herrn, dem Höchsten" [2]. Zu den Versen 6 und 7 zitiert er Qatada: Der Prophet habe nichts vergessen außer dem, was Allah wollte [2]. Eine andere Ansicht, die er wiedergibt, verbindet die Ausnahme mit der Aufhebung von Versen: Was Allah entfernt, werde dem Propheten nicht angerechnet [2].

Neuere muslimische Auslegung

Muhammad at-Tahir Ibn Aschur (1879 bis 1973), den man zur islamischen Moderne zählt, ist der Verfasser von at-Tahrir wa-t-Tanwir [5]. Nach der Zusammenfassung bei Quran.com liest er die Verse 4 und 5 und Vers 13 als Hinweis auf die Auferstehung: Wie die tote Natur wieder auflebt, so werden die Menschen wieder auferweckt [1]. Die Verse 18 und 19 versteht er so, dass die bleibenden Wahrheiten der Sure schon in den Schriften Abrahams und Moses' stehen [1].

Islamwissenschaft

Nöldeke nahm Sure 87 1860 als Beispiel dafür, wie leichtfertig manche alte Ausleger erklärten: Sie hätten im Aufruf zum Lob Gottes in den Versen 1 und 15 einen Hinweis auf die fünf täglichen Gebete gesehen, die erst kurz vor der Auswanderung angeordnet worden seien, und die Sure deshalb für medinisch gehalten [4]. Er selbst setzte sie in die erste mekkanische Periode [4]. Neuwirth stellt Sure 87 in eine Untergruppe mit Sure 96 [3]. Das letzte Dreißigstel des Korans umfasst die Suren 78 bis 114; Sure 87 gehört dazu, und diese Suren werden bis heute oft im Gebet rezitiert [3]. Davor steht Sure 86, danach Sure 88.

  1. Organisation Surah Info: Al-A'la. Quran.com (nach Tafsir Ibn Ashur). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-A'la Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Der Koran. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Bd. 1: Poetische Prophetie. Frühmekkanische Suren (Leseprobe). Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis und S. 76 bis 77. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Qur'an translation of the week #36: The impact of standardization: Max Henning's 1901 Qur'an translation and its editors. GloQur (Johanna Pink). Stand 22.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.