Alle 114 Suren des Korans

Sure 91: Die Sonne (Asch-Schams)

Sure 91 von 114, 15 Verse

Sure 91 heißt in der Fassung nach Henning "Die Sonne", arabisch Asch-Schams, und hat nach der Kairoer Zählung 15 Verse. Sie gilt als mekkanisch und sagt nach einer Reihe von Schwüren, dass es dem wohl ergeht, der seine Seele reinigt. Als Warnung erzählt sie von Thamud und der Kamelin Allahs.

1 Bei der Sonne und ihrem Glanz

2 Und dem Mond, wenn er ihr folgt,

3 Und dem Tag, wenn er sie enthüllt,

4 Und der Nacht, wenn sie sie bedeckt,

5 Und dem Himmel und was ihn erbaute,

6 Und der Erde und was sie ausbreitete,

7 Und der Seele und was sie bildete

8 Und ihr eingab ihre Schlechtigkeit und Frömmigkeit,

9 Wohl ergeht es dem, der sie reinigt,

10 Und zuschanden geht der, der sie verdirbt.

11 Der Lüge bezichtigte Thamud (ihren Gesandten) in ihrem Frevelmut,

12 Als sich der elendeste Wicht unter ihnen erhob

13 Und der Gesandte Allahs zu ihnen sprach: "(Dies ist) die Kamelin Allahs und ihre Tränke."

14 Sie aber bezichtigten ihn der Lüge und zerschnitten ihr die Flechsen, und so vertilgte sie ihr Herr wegen ihrer Sünde und verfuhr gegen alle gleich;

15 Und er fürchtet nicht die Folge davon.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 91 heißt in der Fassung nach Henning "Die Sonne", arabisch Asch-Schams. Nach der Kairoer Zählung hat sie 15 Verse; nach Ibn Aschur sind es in der Zählung von Mekka 16 [1]. Nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) ist sie mekkanisch [1, 7]. Ibn Aschur zählt sie nach der Zusammenfassung bei Quran.com in der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung als 26. Sure, nach Sure 97 und vor Sure 85 [1]. Theodor Nöldeke rechnete sie 1860 zur ersten mekkanischen Periode [4], Angelika Neuwirth stellt sie mit den Suren 89, 92 und 90 in eine Gruppe [3]. Die Übersetzung von Max Henning, nach der hier zitiert wird, kam 1901 bei Reclam in Leipzig heraus [6].

Inhalt im Überblick

Eine lange Reihe von Schwüren führt auf eine kurze Aussage über die Seele hin, danach folgt ein Beispiel aus der Geschichte.

  • Verse 1 bis 8: Schwüre bei Sonne, Mond, Tag, Nacht, Himmel und Erde und bei der Seele, der ihre Schlechtigkeit und Frömmigkeit eingegeben wurde.
  • Verse 9 und 10: Wohl ergeht es dem, der die Seele reinigt; zuschanden geht, wer sie verdirbt.
  • Verse 11 bis 15: Thamud bezichtigte ihren Gesandten der Lüge. Der Elendeste unter ihnen erhob sich, sie schnitten der Kamelin Allahs die Flechsen durch, und ihr Herr vertilgte sie.

Die Aussage, auf die die Schwüre hinführen, lautet: "Wohl ergeht es dem, der sie reinigt, / Und zuschanden geht der, der sie verdirbt." (Sure 91,9 bis 10). Wie der Koran von früheren Gesandten erzählt, zeigt die Seite Die Propheten im Koran.

Wie die Sure verstanden wird

Die Auslegung beschäftigt sich vor allem mit Vers 8 und mit der Frage, wer die Seele reinigt.

Klassische Auslegung

Zu Vers 8 überliefert Ibn Kathir von Ibn Abbas, Allah habe der Seele das Gute und das Böse erklärt; Sa'id ibn Dschubair spricht von einer Eingebung, durch die sie beides erkennt [2]. Zu Vers 7 verbindet Ibn Kathir die ausgeglichen gebildete Seele mit dem Prophetenwort bei al-Buchari und Muslim, jedes Kind werde mit der natürlichen Anlage, der Fitra, geboren [2]. Er führt außerdem einen Bericht bei Ahmad und Muslim an, in dem der Prophet die Frage nach der Vorherbestimmung so beantwortet, dass es den Menschen vorherbestimmt sei [2]. Für die Verse 9 und 10 nennt er zwei Lesarten: Nach Qatada und anderen hat Erfolg, wer selbst seine Seele durch Gehorsam reinigt; nach einem Bericht von Ibn Abbas hat Erfolg, wessen Seele Allah reinigt [2].

Neuere muslimische Auslegung

Ibn Aschur (1879 bis 1973) wird zur islamischen Moderne gezählt und schrieb den Kommentar at-Tahrir wa-t-Tanwir [5]. Nach der Zusammenfassung bei Quran.com liest er die Schwüre bei Sonne, Mond, Tag, Nacht, Himmel und Erde als Hinweise auf die Macht des Schöpfers und auf die Wahrheit der Botschaft [1]. Die Reinigung der Seele steht für ihn im Mittelpunkt der Verantwortung des Menschen [1]. Die Geschichte von Thamud, die die Kamelin tötete, versteht er als Warnung an die Götzendiener, die den Gesandten der Lüge bezichtigten [1].

Islamwissenschaft

Nöldeke ordnete Sure 91 in seinem Inhaltsverzeichnis von 1860 in die erste mekkanische Periode ein, zwischen die Suren 86 und 80 [4]. In einem Nachtrag zu S. 76 stellte er sie zu den frühen Suren vermischten Inhalts, deren Hauptzweck weder der Kampf gegen Gegner noch die Schilderung der letzten Dinge ist [4]. Zum letzten Dreißigstel des Korans (Suren 78 bis 114) gehört auch Sure 91; aus diesem Teil wird bis heute oft im Gebet rezitiert [3]. Vor ihr steht Sure 90, nach ihr Sure 92.

  1. Organisation Surah Info: Ash-Shams. Quran.com (nach Tafsir Ibn Ashur). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Ash-Shams Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Der Koran. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Bd. 1: Poetische Prophetie. Frühmekkanische Suren (Leseprobe). Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis, S. 75 bis 76 und Verbesserungen. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Qur'an translation of the week #36: The impact of standardization: Max Henning's 1901 Qur'an translation and its editors. GloQur (Johanna Pink). Stand 22.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.