Alle 114 Suren des Korans

Sure 96: Das geronnene Blut (Al-ʿAlaq)

Sure 96 von 114, 19 Verse

Sure 96 heißt in der Lesefassung nach Henning "Das geronnene Blut", arabisch Al-Alaq, und hat 19 Verse. Sie gilt als mekkanisch, und ihre ersten fünf Verse, die mit "Lies!" beginnen, gelten nach der islamischen Überlieferung als der älteste Teil des Korans. Die Verse 9 bis 19 richten sich gegen einen Mann, der einen Betenden behindert.

1 Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf,

2 Erschuf den Menschen aus geronnenem Blut.

3 Lies, denn dein Herr ist allgütig,

4 Der die Feder gelehrt,

5 Gelehrt den Menschen, was er nicht gewusst.

6 Wahrlich! Siehe der Mensch ist wahrlich frevelhaft,

7 Wenn er sich in Reichtum sieht.

8 Siehe zu deinem Herrn ist die Rückkehr.

9 Sahst du den, der wehrt

10 Einem Knecht (Allahs), wenn er betet?

11 Sahst du, ob er geleitet war,

12 Oder Gottesfurcht gebot?

13 Sahst du, ob er der Lüge bezichtigte und sich abkehrte?

14 Weiß er nicht, dass Allah sieht?

15 Wahrlich, wahrlich wenn er nicht ablässt, so ergreifen wir ihn bei der Stirnlocke,

16 Der lügenden, sündigen Stirnlocke.

17 So rufe er seine Schar;

18 Wir werden die Höllenwache rufen.

19 Wahrlich, gehorche ihm nicht, sondern wirf dich nieder und nahe dich (Allah).

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 96 heißt in der Lesefassung nach Henning "Das geronnene Blut", arabisch Al-Alaq [1, 2]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 19 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie in der Reihenfolge der Offenbarung an die erste Stelle [3]. Auch Theodor Nöldeke stellt sie an den Anfang der ersten mekkanischen Periode [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

VerseInhalt
1 bis 5Aufforderung "Lies!" im Namen des Herrn, der den Menschen aus geronnenem Blut erschuf und ihn die Feder und das Wissen lehrte
6 bis 8der Mensch wird frevelhaft, wenn er sich im Reichtum sieht; Rückkehr zum Herrn
9 bis 18gegen einen, der einen Knecht Allahs am Beten hindert; Drohung, ihn bei der Stirnlocke zu ergreifen; die Höllenwache
19Aufforderung, ihm nicht zu gehorchen, sich niederzuwerfen und Allah zu nahen

Die Sure beginnt: "Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf, / Erschuf den Menschen aus geronnenem Blut." (Sure 96,1 bis 2) [1].

Wie die Sure verstanden wird

Im Mittelpunkt stehen die Berufung des Propheten und die Bedeutung des Wortes "Lies!".

Klassische Auslegung

Ibn Kathir (gekürzte englische Fassung) gibt den Bericht Aischas wieder, wie ihn al-Buchari und Muslim überliefern: Die Offenbarung begann mit wahren Träumen, dann zog sich der Prophet in die Höhle Hira zurück. Dort forderte ihn der Engel auf zu lesen. Der Prophet antwortete zweimal, er sei kein Leser, und wurde jedes Mal bedrängt. Danach sprach der Engel ihm die Verse vor. Danach kehrte er zu Chadidscha zurück, die ihn beruhigte und zu ihrem Vetter Waraqa ibn Naufal brachte [5]. Die Verse 1 bis 5 nennt Ibn Kathir die ersten offenbarten Verse. Die Erwähnung der Feder versteht er als Hinweis, dass Wissen auch in der Schrift besteht [5].

Die Verse ab 9 sind nach Ibn Kathir über Abu Dschahl offenbart worden, der den Propheten beim Gebet an der Kaaba bedrohte. Die Höllenwache in Vers 18 deutet er als die strafenden Engel. Zu Vers 19 zitiert er einen Hadith bei Muslim, nach dem der Diener seinem Herrn in der Niederwerfung am nächsten ist [6].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad hält in seiner Einleitung fest, dass die ersten fünf Verse als Beginn der Offenbarung gelten und die Verse 6 bis 19 etwas später sind. Das arabische iqra' lasse sich mit "lies" oder "trage vor" übersetzen. Asad zieht "lies" vor, weil damit ein bewusstes Aufnehmen und Verstehen gemeint sei, während Vortragen nur das mündliche Sprechen bezeichne [7].

Islamwissenschaft

Nöldeke findet keinen Grund, von der unter Muslimen fast allgemein angenommenen Überlieferung abzugehen, nach der 96,1 bis 5 der älteste Teil des Korans ist [4]. Er bespricht ausführlich den Bericht, den Urwa ibn az-Zubair von Aischa empfing, und gibt zu bedenken, dass Aischa zur Zeit des Ereignisses noch nicht geboren war [4]. Das Wort iqra' versteht Nöldeke als Aufforderung zum Verkünden und lehnt die Erklärungen ab, Muhammad habe hier eine geschriebene Vorlage lesen sollen [4]. Die Verse ab 6 hat nach seiner Ansicht wohl Muhammad selbst später angefügt, weil sie sich schon gegen einen Gegner des Glaubens richten. Er hält aber auch diesen Zusatz für sehr alt [4].

Weitere Seiten zum Thema: Wie der Koran entstand und überliefert wurde und Das Gebet im Koran. Sie folgt auf Sure 95, Die Feige und steht vor Sure 97, Die Macht.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 59 bis 89, hier S. 62 bis 66. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-'Alaq Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-'Alaq Ayah 6. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 96,1 mit Einleitung und Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.