Alle 114 Suren des Korans

Sure 64: Der gegenseitige Betrug (At-Taghābun)

Sure 64 von 114, 18 Verse

Sure 64 heißt At-Taghabun, bei Henning "Der gegenseitige Betrug", und hat in der Kairoer Zählung 18 Verse. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als medinisch, zuweilen gilt sie aber als mekkanisch. Der Name bezeichnet den Tag des Gerichts, an dem sich zeigt, wer gewinnt und wer verliert.

1 Es preist Allah was in den Himmeln und was auf Erden ist; sein ist das Reich und sein das Lob, und er hat Macht über alle Dinge.

2 Er ist es, der euch erschaffen hat, und die einen von euch sind ungläubig die anderen gläubig. Und Allah schaut euer Tun.

3 Erschaffen hat er die Himmel und die Erde in Wahrheit und hat euch geformt und eure Form schön gemacht, und zu ihm ist die Fahrt.

4 Er weiß, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und er weiß, was ihr verbergt und offen kundtut. Und Allah kennt das Innerste der Brüste.

5 Kam nicht die Kunde der Ungläubigen von früher zu euch, die das Unheil ihrer Sache schmeckten und schmerzliche Strafe erlitten?

6 Solches, weil ihre Gesandten mit den deutlichen Zeichen zu ihnen kamen, worauf sie sprachen: "Sollen uns Menschen leiten?" Und so glaubten sie nicht und kehrten den Rücken. Doch Allah kann ihrer entbehren, denn Allah ist reich und rühmenswert.

7 Es behaupten die Ungläubigen, dass sie nie erweckt würden. Sprich: "Jawohl, bei meinem Herrn, wahrlich ihr werdet erweckt; dann wird euch verkündet, was ihr getan." Und solches ist Allah leicht.

8 Darum glaubt an Allah und seinen Gesandten und an das Licht, das wir hinabgesandt haben. Und Allah weiß euer Tun.

9 Der Tag, an dem er euch versammeln wird zum Tag der Versammlung, das ist der Tag des gegenseitigen Betrugs: und wer an Allah glaubt und das Rechte tut, dessen Missetaten wird er zudecken und wird ihn einführen in Gärten, durcheilt von Bächen, ewig darin zu verweilen für immer; das ist die große Glückseligkeit!

10 Diejenigen aber, welche nicht glauben und unsere Zeichen für Lüge erklären, das sind die Bewohner des Feuers für immer; und schlimm ist die Fahrt (dorthin).

11 Kein Unglück trifft ein ohne Allahs Erlaubnis; und wer an Allah glaubt, dessen Herz leitet er. Und Allah weiß alle Dinge.

12 So gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten; kehrt ihr jedoch den Rücken, so liegt unserem Gesandten nur die offenkundige Predigt ob.

13 Allah, es gibt keinen Gott außer ihm, und auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.

14 O ihr, die ihr glaubt, an euren Gattinnen und Kindern habt ihr einen Feind; so hütet euch vor ihnen. Doch wenn ihr vergebt und Nachsicht übt und verzeiht, siehe so ist Allah verzeihend und barmherzig.

15 Euer Gut und eure Kinder sind nur eine Versuchung und Allah: bei ihm ist großer Lohn.

16 So fürchtet Allah mit allem Vermögen und hört und gehorcht und spendet zum Besten eurer selbst. Und wer sich hütet vor seiner eigenen Habsucht, denen wird es wohl ergehen.

17 Wenn ihr Allah ein schönes Darlehen leiht, wird er es euch verdoppeln und wird euch verzeihen; denn Allah ist dankbar und mild.

18 Er weiß das Verborgene und das Sichtbare, der Mächtige, der Weise!

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 64 heißt arabisch At-Taghabun. Henning übersetzt das Wort mit "Der gegenseitige Betrug"; in Vers 9 heißt der Tag der Versammlung "der Tag des gegenseitigen Betrugs" [1]. Die Sure hat nach der Kairoer Zählung 18 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als medinisch an 108. Stelle der Offenbarung [3]. Ibn Kathir schreibt dagegen, sie sei in Medina oder in Mekka offenbart worden [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

VerseInhalt
1 bis 4Lob Allahs, Erschaffung der Himmel, der Erde und des Menschen, Allahs Wissen
5 und 6frühere Ungläubige, die ihre Gesandten ablehnten
7 bis 10Auferweckung und der Tag des gegenseitigen Betrugs: Gärten für die Gläubigen, Feuer für die Leugner
11 bis 13kein Unglück ohne Allahs Erlaubnis; Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten
14 bis 18Gattinnen und Kinder als Feind, Besitz und Kinder als Versuchung; Vergeben, Spenden und das schöne Darlehen

Wie die Sure verstanden wird

Zwei Stellen stehen im Vordergrund: der Name der Sure und Vers 14. Dieser lautet in der Lesefassung: "O ihr, die ihr glaubt, an euren Gattinnen und Kindern habt ihr einen Feind; so hütet euch vor ihnen." Er schließt mit dem Satz, dass Allah verzeihend und barmherzig ist, wenn die Gläubigen vergeben und Nachsicht üben [1].

Klassische Auslegung

Ibn Kathir (gekürzte englische Fassung) gibt Ibn Abbas wieder: At-Taghabun sei einer der Namen des Gerichtstags, weil dann die Bewohner des Paradieses den Bewohnern des Feuers gegenüber im Vorteil seien [6]. Zu Vers 14 berichtet er ebenfalls nach Ibn Abbas, Männer in Mekka hätten nach ihrer Annahme des Islam zum Propheten auswandern wollen, ihre Frauen und Kinder hätten sie aber daran gehindert. Als sie später ihre Familien bestrafen wollten, sei die Aufforderung zum Verzeihen am Ende des Verses ergangen [7].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad übersetzt das Wort in Vers 14 mit "Ehepartner" und bezieht es auf Männer und Frauen, da die moralischen Pflichten für beide gelten. Die Liebe zur Familie könne einen Gläubigen dazu verleiten, gegen Gewissen und Glauben zu handeln; davor warne der Vers, und dafür gelte die Aufforderung zu vergeben [8].

Islamwissenschaft

Nöldeke schreibt, die Sure ähnle den mekkanischen und werde deshalb zuweilen für eine solche gehalten. Die Verse ab 14 seien aber ohne Zweifel medinisch, wahrscheinlich auch die Verse 11 bis 13. Die Ansicht mancher, die ganze Sure sei medinisch, habe einiges für sich [4].

Zum Weiterlesen: Familie im Koran, Jenseits und Gericht im Koran und Mekkanische und medinensische Suren. Davor steht Sure 63, Die Heuchler, danach folgt Sure 65, Die Scheidung.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 136 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Taghabun Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Taghabun Ayah 9. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Taghabun Ayah 14. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 64,14 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.