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Mose im Koran: Leben und Bedeutung des Propheten Musa

Mose, arabisch Musa, ist die Gestalt, die der Koran am häufigsten mit Namen nennt. Er erzählt von seiner Rettung als Kind, der Berufung am Feuer, dem Streit mit Pharao, dem Auszug durch das Meer und dem Goldenen Kalb, vor allem in den Suren 7, 20 und 28. Nach islamischer Lehre gehört Mose zu den wichtigsten Propheten.

Ein kahles Granitgebirge im ersten Morgenlicht, ein schmaler Pfad windet sich durch ein felsiges Tal nach oben
Bild: KI-generiert

Keine andere Gestalt nennt der Koran so oft mit Namen wie Mose [5, 6]. Er heißt dort Musa, Henning schreibt in seiner Übersetzung Moses [1, 5]. Der Koran erzählt sein Leben nicht an einem Stück. Einzelne Abschnitte stehen in vielen Suren, mit jeweils anderem Schwerpunkt [4, 5]. Die Zitate auf dieser Seite stammen aus der deutschen Lesefassung nach der Übersetzung von Max Henning (1901) [1]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut.

Der am häufigsten genannte Prophet

Die Angaben zur Häufigkeit unterscheiden sich je nach Zählweise. Wikipedia nennt 137 Erwähnungen [5]. Der Theologe Zeki Saritoprak schreibt, der Name Musa stehe in mindestens 124 Versen [4]. In der deutschen Lesefassung steht der Name Moses in 131 Versen aus 34 Suren; das ist eine eigene Zählung, ohne die Stellen, an denen nur ein Fürwort steht [1]. Das Kleine Islam-Lexikon zählt Mose neben Abraham und Jesus zu den wichtigsten Propheten des Islams und nennt ihn die im Koran am häufigsten erwähnte Figur der Tora [2].

Der Koran gibt Mose mehrere Titel. Sure 19,51 sagt: "Siehe, er war lauter und war ein Gesandter, ein Prophet." [1]. Nach Sure 4,164 hat Gott mit Mose unmittelbar gesprochen: "es redete Allah mit Moses in Rede" [1]. Daraus stammt sein Ehrentitel Kalim Allah, "der, zu dem Gott spricht" [5]. In der islamischen Theologie gehört Mose außerdem zu den fünf herausragenden Propheten, zusammen mit Noah, Abraham, Jesus und Muhammad [4].

Kindheit und Flucht

Die Geschichte seiner Kindheit erzählt Sure 28 am ausführlichsten. Pharao lässt die Söhne der Israeliten töten. Gott offenbart der Mutter des Mose: "Säuge ihn. Und wenn du für ihn fürchtest, so wirf ihn in den Strom" (Sure 28,7) [1]. Leute aus Pharaos Haus finden das Kind, und Pharaos Frau bittet: "Tötet ihn nicht; vielleicht, dass er uns nützt oder dass wir ihn als Sohn annehmen." (Sure 28,9) [1]. Die Schwester des Mose folgt dem Kind, und weil es keine Amme annimmt, kommt es zu seiner eigenen Mutter zurück (Sure 28,11 bis 13) [1]. Saritoprak weist darauf hin, dass mehrere der stärksten Frauengestalten des Korans in dieser Geschichte vorkommen: die Mutter und die Schwester des Mose und die Frau Pharaos [4].

Ein geflochtener Schilfkorb treibt zwischen hohem grünem Papyrus am Rand eines breiten ruhigen Flusses im Morgendunst
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Als Erwachsener erschlägt Mose im Streit einen Mann aus dem Lager seiner Feinde, bittet Gott um Vergebung und flieht nach Midian (Sure 28,15 bis 22) [1]. Sure 20 fasst diese Jahre in wenigen Versen zusammen. Der Kommentar des Corpus Coranicum zeigt, dass der Koran dabei Deutungen aufnimmt, die auch der jüdische Midrasch Exodus Rabba kennt. Die Zeit in Midian erscheint dort als Prüfung, die Mose auf seine Aufgabe vorbereitet [3].

Die Berufung am Feuer

Als Mose mit seiner Familie unterwegs ist, sieht er ein Feuer und geht darauf zu (Sure 20,10 und 28,29) [1]. Dort ruft ihn Gott: "Siehe, ich bin dein Herr; darum zieh aus deine Schuhe; siehe, du bist im heiligen Tal Towa" (Sure 20,12) [1]. Sure 28,30 lässt die Stimme "aus dem Baum" kommen [1]. Den Dornbusch aus dem zweiten Buch Mose nennt der Koran nicht. Nach dem Kommentar des Corpus Coranicum ist das Feuer in Sure 20 zunächst kein Wunder; Mose hofft nur, einen Brand oder den Weg zu finden [3]. Die älteste Erzählung von der Berufung steht nach dem Kommentar in der frühen Sure 79,15 bis 26 [3].

Ein kleines Feuer glüht in der Dämmerung an einem steinigen Berghang, daneben lehnt ein Holzstab an einem Felsen
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Mose fürchtet die Aufgabe und bittet: "Und löse den Knoten meiner Zunge" (Sure 20,27) [1]. Gott gibt ihm seinen Bruder Aaron als Helfer (Sure 20,29 bis 36) [1]. Sure 20 ist nach dem Corpus Coranicum "die Mose-Sure schlechthin": Sie enthält die ausführlichste Lebensgeschichte eines Propheten im ganzen Koran [3].

Vor Pharao

Gott schickt Mose und Aaron zu Pharao mit einem Auftrag, den die Auslegung oft hervorhebt: "Und sprecht zu ihm in sanfter Sprache; vielleicht lässt er sich mahnen oder er fürchtet sich." (Sure 20,44) [1]. Vor Pharao wird der Stab des Mose zur Schlange, und seine Hand wird weiß (Sure 7,107 bis 108) [1]. Pharaos Zauberer treten gegen ihn an, unterliegen und werfen sich nieder: "Wir glauben an den Herrn der Welten" (Sure 7,121) [1]. Die Plagen über Ägypten zählt Sure 7,133 nur kurz auf, mit Flut, Heuschrecken, Läusen, Fröschen und Blut [1, 5].

Schließlich zieht Mose auf Gottes Geheiß nachts mit den Israeliten los (Sure 20,77) [1]. Auf seinen Schlag mit dem Stab spaltet sich das Meer, "und jeder Teil wurde gleich einem gewaltigen Berg" (Sure 26,63) [1]. Pharao und sein Heer gehen unter. Sure 10,90 legt Pharao im Ertrinken ein Bekenntnis zu dem Gott der Kinder Israel in den Mund [1].

In der Wüste und am Berg

In der Wüste versorgt Gott das Volk mit Manna und Wachteln (Sure 2,57) [1]. Als Mose für sein Volk um Wasser bittet, schlägt er mit dem Stab auf einen Felsen, und es entspringen "zwölf Quellen" (Sure 2,60) [1]. Dann bestimmt Gott Mose eine Zeit von vierzig Nächten. In dieser Zeit bittet Mose, Gott sehen zu dürfen. Gott antwortet: "Niemals siehst du mich; aber schau zu dem Berg" (Sure 7,143). Als Gott sich dem Berg zeigt, zerfällt er zu Staub, und Mose stürzt ohnmächtig nieder [1]. Danach erhält er Tafeln, auf die Gott "eine Ermahnung in Bezug auf alle Dinge" geschrieben hat (Sure 7,145) [1].

Wasser quillt aus Spalten eines großen rötlichen Felsens in einem trockenen Wüstental bei hellem Mittagslicht
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Während Mose fort ist, macht sich das Volk ein Kalb aus Schmuck. Sure 20 nennt einen Mann namens Samiri als Anstifter und erzählt, wie Mose zornig zurückkehrt und seinen Bruder Aaron zur Rede stellt (Sure 20,85 bis 97) [1]. Nach dem Kommentar des Corpus Coranicum erzählt Sure 20 diese Geschichte nachsichtig. Sie endet ohne göttliche Strafe mit dem Bekenntnis zum einen Gott, und Mose bewährt sich als Schlichter [3]. Sure 2 nennt weitere Episoden, etwa den Befehl, eine Kuh zu opfern (Sure 2,67 bis 73) [1].

Mose und der Diener Gottes

Eine Erzählung ohne Vorbild in der Bibel steht in Sure 18 [5]. Mose will "den Zusammenfluss der beiden Meere" erreichen (Sure 18,60) und trifft dort einen Diener Gottes, dem Gott eigenes Wissen gegeben hat [1]. Mose darf ihn begleiten, muss aber schweigen. Der Diener macht ein Loch in ein Schiff, tötet einen Jüngling und richtet in einer Stadt, deren Bewohner sie nicht bewirten, eine einstürzende Mauer auf. Mose kann sich jedes Mal nicht zurückhalten und fragt. Zum Abschied erklärt ihm der Diener die Gründe; er habe nicht "nach eigenem Ermessen" gehandelt (Sure 18,82) [1]. Die spätere Überlieferung setzt diesen Diener mit al-Chidr gleich. Die Forschung vermutet die Herkunft des Stoffes im Alexanderroman [5].

Wie Mose verstanden wird

Die klassischen Koranausleger haben besonders den Auftrag zur sanften Rede an Pharao erklärt. Nach der Darstellung von Saritoprak verstand at-Tabari (gest. 923) ihn so, dass Mose und Aaron Pharao ohne Zorn ansprechen sollten, damit er die Botschaft hören konnte. Der Mystiker al-Quschairi schloss daraus, dass Gesandte Gottes sanft sprechen müssen, um den Hörern Zeit zum Nachdenken zu geben. Fachr ad-Din ar-Razi nannte zwei Gründe: den Dank an Pharao, der Mose aufgezogen hatte, und die Erfahrung, dass Gewaltherrscher auf harte Worte mit noch mehr Härte antworten [4]. Die Legende hat das Leben des Mose weiter ausgeschmückt. Sein Stab soll aus dem Paradies stammen und vor ihm Adam und Abraham gehört haben [5].

Unter heutigen muslimischen Theologen beschreibt Zeki Saritoprak Mose als Vorbild für Muslime. Die Darstellung im Koran bestätigt nach seiner Sicht trotz kleinerer Unterschiede den Bericht der Tora, und Mose könne eine gemeinsame Grundlage für das Gespräch zwischen Juden und Muslimen sein [4]. Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide aus Münster betont in einem Interview von 2025, dass sich Muhammad intensiv auf jüdische Erzählungen und auf Mose selbst berufen habe, um seine prophetische Sendung zu begründen [6].

Das Kleine Islam-Lexikon schreibt, dass das Prophetentum des Mose in vielen Aspekten als Parallele zu Muhammads Wirken verstanden wurde. Es nennt als Parallelen den Kampf gegen die Vielgötterei mit Mose als Gegenspieler Pharaos, den Auszug aus Ägypten im Vergleich zur Auswanderung Muhammads nach Medina und die Rolle als Gesetzgeber; das Mosebild stütze sich vor allem auf das Alte Testament und die jüdische Haggada [2]. Der Kommentar des Corpus Coranicum beschreibt, wie Sure 20 Mose und den Verkünder des Korans verbindet: Wie Gott sich Mose zu erkennen gibt, so gibt er sich in derselben Sure dem Verkünder zu erkennen [3]. Am Auszug selbst zeigt Sure 20 wenig Interesse. Die Ereignisse des Auszugs werden nach dem Kommentar in einem kurzen Bericht nachgetragen, wohl für ein jüdisches Publikum in Medina [3].

Wie die Bibel von Mose erzählt, beschreibt die Seite Mose und der Auszug aus Ägypten auf bibel.domain-root.de. Den vollständigen Text der wichtigsten Suren findest du unter Sure 20, Sure 28 und Sure 18. Welche weiteren Propheten der Koran nennt, steht auf der Seite Die Propheten im Koran, ein Vergleich der gemeinsamen Geschichten auf Koran und Bibel.

  1. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Philipp Reclam jun., Leipzig; Scan im Internet Archive. Stand ohne Jahr (Vorwort 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Moses. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Sure 20 Ta-Ha (Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand Betaversion. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie The Place of Moses in the Qurʼan and Its Significance for a Jewish-Muslim Dialogue. Zeki Saritoprak, PaRDeS 22, Universitätsverlag Potsdam. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  5. Moses im Islam. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. "Die Wurzeln des Islams liegen im Judentum". Jüdische Allgemeine (Judith Kubitscheck). Stand 31.07.2025. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.