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Koran und Bibel: gemeinsame Geschichten im Vergleich

Koran und Bibel erzählen von vielen gleichen Gestalten, darunter Adam, Noah, Abraham, Joseph, Mose, Maria und Jesus. Der Koran deutet die Geschichten oft nur an und setzt eigene Schwerpunkte: Noahs Sohn ertrinkt, Abrahams Sohn bleibt ungenannt, und nach Sure 4,157 töteten und kreuzigten sie Jesus nicht. Nach dem Kleinen Islam-Lexikon der bpb kommen für viele Parallelen eher jüdische und christliche Schriften außerhalb der Bibel in Betracht.

Zwei alte geschlossene Lederbände unterschiedlicher Größe liegen nebeneinander auf einem hölzernen Lesepult im weichen Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Wer die Bibel kennt, trifft im Koran viele bekannte Namen. Adam, Noah, Abraham, Joseph, Mose, Maria und Jesus kommen in beiden Büchern vor. Das Kleine Islam-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung zählt Stoffe aus der Bibel zu den Hauptthemen des Korans [2]. Der Koran erzählt diese Stoffe aber anders. Viele Themen werden nur angedeutet, und für das genaue Verständnis braucht man die Auslegung [2]. Die Koranzitate stammen aus der Lesefassung dieser Website nach der Übersetzung von Max Henning (1901), die Bibelzitate aus der Lutherbibel von 1912. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut.

Wer in beiden Büchern vorkommt

Am häufigsten nennt der Koran Mose. Er ist nach dem Kleinen Islam-Lexikon die Gestalt aus der Tora, die im Koran am öftesten erwähnt wird; Abraham folgt an zweiter Stelle [3, 4]. Eine eigene Zählung der Namen in der deutschen Lesefassung bestätigt diese Reihenfolge [1]. Die Zahlen gelten nur für die deutsche Übersetzung, nicht für den arabischen Text.

GestaltNennungen in der Lesefassung (eigene Zählung)in wie vielen SurenAuswahl wichtiger Koranstellen
Moses13634Sure 7, 20, 28
Abraham7025Sure 2, 6, 37
Noah4328Sure 11, 71
Maria3412Sure 3, 19
Joseph303Sure 12
Jesus2511Sure 3, 5, 19
Adam259Sure 2, 7, 20

Mehrere Verse zählen diese Gestalten als Reihe von Propheten auf. Sure 6,84 bis 86 nennt unter anderem Noah, David, Salomo, Hiob, Joseph, Moses, Aaron, Zacharias, Johannes, Jesus, Elias, Ismael, Elisa, Jonas und Lot [1]. Mehr dazu steht auf der Seite Die Propheten im Koran.

Adam und der Garten

In der Bibel wird die Geschichte vom Garten in einem Zug erzählt (1. Mose 2 und 3). Im Koran steht sie an mehreren Stellen, vor allem in Sure 2, 7 und 20 [1]. Sure 2,30 beginnt mit einem Gespräch zwischen Gott und den Engeln. Gott will "auf der Erde einen einsetzen an meiner Statt", und die Engel fragen, ob er jemanden einsetzen wolle, der Blut vergießt [1]. Danach lehrt Gott Adam "aller Dinge Namen" (Sure 2,31), und alle Engel werfen sich vor Adam nieder außer Iblis (Sure 2,34) [1].

Bei der Verführung weichen die Erzählungen voneinander ab. In der Bibel spricht die Schlange zur Frau; die Frau isst und "gab ihrem Mann auch davon, und er aß" (1. Mose 3,6) [7]. Im Koran flüstert der Satan beiden ein, und beide essen (Sure 7,20 bis 22; 20,121) [1]. Danach bitten beide um Verzeihung, und Sure 20,122 sagt: "Dann erwählte ihn sein Herr und kehrte sich zu ihm und leitete ihn." [1]. Eine Erbsünde kennt der Islam nach dem Kleinen Islam-Lexikon deshalb nicht; das Lexikon verweist auf Sure 6,164 [5]. Dort heißt es, eine belastete Seele solle "nicht einer anderen Last tragen" [1]. Die biblische Fassung erklärt die Seite Adam und Eva auf bibel.domain-root.de.

Noah und die Flut

Beide Bücher erzählen von einer Arche und einer Flut. Im Koran gebietet Gott Noah: "Und baue dir die Arche vor unseren Augen und nach unserer Offenbarung" (Sure 11,37) [1]. Sure 71 ist ganz Noahs Predigt an sein Volk gewidmet [1].

Ein großes Holzschiff liegt auf einem nebligen Berghang über zurückweichendem Hochwasser, die grauen Wolken reißen auf
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Ein Unterschied betrifft Noahs Familie. In der Bibel geht Noah "mit seinen Söhnen, seinem Weibe und seiner Söhne Weibern" in den Kasten (1. Mose 7,7) [7]. Im Koran ruft Noah einem Sohn zu, mit einzusteigen. Der Sohn will sich auf einen Berg retten, dann heißt es: "Und eine Woge trennte beide, und er ertrank." (Sure 11,43) [1]. Auch der Ort der Landung heißt anders: In der Bibel das Gebirge Ararat (1. Mose 8,4), im Koran El-Dschudi (Sure 11,44) [7, 1]. Bei der Zahl der Jahre liegen beide nah beieinander. Nach 1. Mose 9,29 wurde Noah 950 Jahre alt [7]. Sure 29,14 sagt, Noah habe "tausend Jahre unter ihnen weniger fünfzig Jahre" bei seinem Volk verweilt [1]. Die biblische Erzählung steht ausführlich auf der Seite Noah, die Arche und die Sintflut.

Abraham und das Opfer des Sohnes

Nach dem Kleinen Islam-Lexikon gilt Abraham im Islam als erster Monotheist [4]. Sure 3,67 sagt: "Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er lauteren Glaubens, ein Muslim" [1]. Nach Sure 2,127 legten Abraham und Ismael die Fundamente des Hauses, nach islamischer Überlieferung die Kaaba in Mekka [1, 4].

Ein Widder mit gedrehten Hörnern steht im Morgengrauen in einem dornigen Busch auf einer felsigen Anhöhe
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Die Geschichte vom Opfer erzählen beide Schriften. In der Bibel ist der Sohn genannt: "Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast" (1. Mose 22,2) [7]. Im Koran sieht Abraham im Traum, dass er seinen Sohn opfern soll, und der Sohn antwortet: "O mein Vater, tu, was dir geheißen wurde" (Sure 37,102) [1]. Ein Name fällt in dieser Erzählung nicht. Gott löst den Sohn "durch ein herrliches Opfer" aus (Sure 37,107), so wie in der Bibel ein Widder an die Stelle des Sohnes tritt (1. Mose 22,13) [1, 7]. Erst danach verkündet Sure 37,112 Abraham die Geburt Isaaks [1]. Die islamische Überlieferung sieht deshalb in Ismael den Sohn, der geopfert werden sollte; das Kleine Islam-Lexikon nennt Ismael und das Opfer als Vorbild des Opferfests [4]. Mehr zur biblischen Gestalt steht auf der Seite Abraham, Isaak und Jakob.

Joseph und seine Brüder

Die Josephsgeschichte erzählt der Koran fortlaufend in einer einzigen Sure. Sure 12 trägt Josephs Namen und hat 111 Verse; außerhalb dieser Sure fällt sein Name in der Lesefassung nur zweimal (Sure 6,84 und 40,34) [1]. Sie beginnt mit dem Satz: "Erzählen wollen wir dir die schönste der Geschichten durch die Offenbarung dieses Korans" (Sure 12,3) [1]. Wie in der Bibel sieht Joseph im Traum Sterne, Sonne und Mond, die sich vor ihm niederwerfen (Sure 12,4) [1]. Im 1. Buch Mose umfasst die Josephsgeschichte die Kapitel 37 bis 50, unterbrochen von einer Erzählung über Juda in Kapitel 38 [7]. Die Bibel erzählt dort unter anderem vom "bunten Rock", den Jakob seinem Sohn machte (1. Mose 37,3) [7].

Die Verführungsszene im Haus des Ägypters kommt in beiden Büchern vor (1. Mose 39; Sure 12,23) [7, 1]. Im Koran antwortet Joseph auf die Aufforderung der Hausherrin: "Allah behüte es!" (Sure 12,23) [1].

Mose, Pharao und das Meer

Der Koran greift nach dem Kleinen Islam-Lexikon viele biblische Motive der Mosegeschichte auf: Mose als Findelkind, den Streit mit Pharao, die Plagen über Ägypten, den Zug durch das Rote Meer und die Speisung in der Wüste [3]. Manche Einzelheiten stimmen fast überein. Am Feuer hört Mose im Koran: "darum zieh aus deine Schuhe; siehe, du bist im heiligen Tal Towa" (Sure 20,12) [1]. In der Bibel heißt es: "zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist ein heilig Land!" (2. Mose 3,5) [7].

Andere Einzelheiten sind verschieden. In der Bibel findet die Tochter Pharaos das Kind im Schilf (2. Mose 2,5) [7]. Im Koran ist es "Pharaos Frau", die sagt: "Tötet ihn nicht" (Sure 28,9) [1]. Beim Meer reckt Mose in der Bibel die Hand aus (2. Mose 14,21), im Koran schlägt er auf Gottes Befehl mit dem Stab auf das Wasser (Sure 26,63) [7, 1].

Maria und Jesus

Maria ist nach der Tübinger Theologin Lejla Demiri die einzige Frau, die der Koran mit Namen nennt; Sure 19 ist nach ihr benannt [6]. Der Koran erzählt von ihrer Kindheit, ihrer Zeit im Tempel und von der Geburt Jesu [8]. Nach Sure 3,35 bis 37 gelobt die Frau Imrans ihr Kind Gott, und Zacharias versorgt das Mädchen [1]. Diese Erzählungen stützen sich nach dem Kleinen Islam-Lexikon vor allem auf außerbiblische christliche Schriften wie das Protoevangelium des Jakobus [8]. Das Lexikon weist auch darauf hin, dass der Koran Maria an anderer Stelle mit Mirjam gleichsetzt, der Schwester Aarons und Moses [8]. In Sure 19,28 wird sie "Schwester Aarons" genannt [1]. Wie die Evangelien Maria sehen, beschreibt die Seite Maria, die Mutter Jesu, in der Bibel.

Eine hohe Dattelpalme mit reifen Datteln neben einer kleinen Quelle in einem stillen Wüstental im Abendlicht
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Die Geburt Jesu ist im Koran anders gestaltet. Lukas erzählt von der Krippe: "und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" (Lukas 2,7) [7]. Im Koran überkommen Maria die Wehen "an dem Stamm einer Palme" (Sure 19,23), und eine Stimme sagt ihr, sie solle den Stamm schütteln, dann fielen reife Datteln auf sie (Sure 19,25) [1].

Der Koran nennt Jesus Messias und "sein Wort" (Sure 4,171) und erzählt Wunder, die so in den Evangelien nicht stehen, etwa dass Jesus aus Ton einen Vogel formt, der mit Gottes Erlaubnis lebendig wird (Sure 3,49) [1]. Nach islamischer Lehre gilt Jesus als einer der Propheten, nicht als Gottes Sohn, und er starb nicht den Kreuzestod [9]. Sure 4,157 sagt: "doch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten ihn nicht" [1]. Sure 3,59 vergleicht ihn mit Adam: Gott "erschuf ihn aus Erde, dann sprach er zu ihm: 'Sei!' und er wurde" [1]. Mehr steht auf der Seite Jesus im Koran.

Wie die Nähe erklärt wird

Der Koran selbst versteht sich als Bestätigung früherer Schriften. Über die Josephsgeschichte heißt es, sie sei "eine Bestätigung dessen, was ihm vorausging" (Sure 12,111) [1]. Sure 5,48 nennt das Buch "bestätigend, was ihm an Schriften vorausging" [1].

Die Islamwissenschaft fragt nach den Wegen, auf denen die Stoffe in den Koran kamen. Das Kleine Islam-Lexikon schreibt, für viele Elemente kämen eher außerkanonische Schriften wie die jüdische Haggada und neutestamentliche Apokryphen in Betracht als die Bibel selbst. Die Übernahme von Begriffen und Motiven zeige vor allem, dass der Islam im Umfeld des nahöstlichen Monotheismus entstand und dabei Eigenes hervorbrachte, etwa die Form des Korans [2]. Das Projekt Corpus Coranicum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sammelt dazu seit 2007 in der Datenbank "Texte aus der Umwelt des Korans" spätantike Überlieferungen, die koranische Themen berühren [10].

  1. Der Koran (Übersetzung Max Henning, Reclam Leipzig 1901), Scan. Internet Archive. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Koran. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Moses. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Abraham. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Adam. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  6. Maria im Koran: Einzige Frau, die der Koran mit Namen erwähnt. evangelisch.de (Judith Kubitscheck, epd). Stand 12.12.2024. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Maria und Josef. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Jesus. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Corpus Coranicum. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.