Wissen zum KoranRatgeber

Was ist der Koran? Eine Einführung

Der Koran ist die heilige Schrift des Islam. Nach islamischer Lehre ist er Gottes Wort, das Muhammad zwischen 610 und 632 in Mekka und Medina offenbart wurde. Er besteht aus 114 Suren mit 6.236 Versen nach Kairoer Zählung; seine heutige Textgestalt geht auf eine Sammlung unter dem Kalifen Uthman (644 bis 656) zurück.

Ein alter geschlossener Band mit schlichtem dunklem Ledereinband liegt auf einem geschnitzten Holzständer auf einem gewebten Teppich
Bild: KI-generiert

Der Koran ist die heilige Schrift des Islam. Muslime verstehen ihn als Gottes Wort, das dem Propheten Muhammad offenbart wurde [2]. Er umfasst 114 Suren, also Kapitel, mit 6.236 Versen nach der heute üblichen Kairoer Zählung [2, 7]. Die Zitate stammen aus der Lesefassung dieser Website nach der Übersetzung von Max Henning (1901). Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung ist eine Übertragung.

Was das Wort Koran bedeutet

Das arabische Wort Koran bedeutet nach dem Kleinen Islam-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung ungefähr "Vortrag" oder "Lesung" [2]. Daneben heißt der Koran auch "das Buch" (al-kitab), und mushaf bedeutet Codex [2]. Der Text spricht oft über sich selbst. Sure 2 beginnt nach den Buchstabenzeichen mit dem Satz: "Dies Buch, daran ist kein Zweifel, ist eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen" (Sure 2,2) [1]. Sure 12,2 nennt ihn "einen arabischen Koran" [1].

Nach islamischer Auffassung geht der Koran auf ein Urbuch bei Gott zurück. Das Lexikon verweist dazu auf Sure 85,22 und nennt sie die wohlverwahrte Tafel [2]. In der Lesefassung lauten die beiden Verse: "Ja, es ist ein ruhmvoller Koran / Auf verwahrter Tafel." (Sure 85,21 bis 22) [1]. Das Lexikon zieht einen Vergleich zum Christentum: Dort gilt Jesus als Gottes Wort in einem Menschen, im Islam der Koran als Gottes Wort in einem Text [2]. Ob dieser Wortlaut geschaffen oder ewig sei, darüber stritten Sunniten und die rationalistische Schule der Mutazila über Jahrhunderte [2].

Die Offenbarung nach islamischer Lehre

Nach islamischer Lehre empfing Muhammad den Koran durch den Engel Gabriel [3]. Die Offenbarungen kamen nach dem Kleinen Islam-Lexikon zwischen 610 und 632, zuerst in Mekka, dann in Medina [2]. Als erste Offenbarung gelten traditionell die Suren 74 und 96 [3]. Sure 96 beginnt so:

Ein felsiger Wüstenberg mit einer kleinen Höhlenöffnung unter einem Sternenhimmel, am Horizont erstes Morgenlicht
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"Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf, / Erschuf den Menschen aus geronnenem Blut. / Lies, denn dein Herr ist allgütig, / Der die Feder gelehrt, / Gelehrt den Menschen, was er nicht gewusst." (Sure 96,1 bis 5) [1]

An den Beginn der Offenbarung erinnert die Nacht des göttlichen Ratschlusses, arabisch lailat al-qadr. Das Lexikon datiert sie auf den 26. oder 27. Ramadan; sie wird bis heute festlich begangen [3]. Der Koran nennt diese Nacht in Sure 97,1: "Siehe wir haben ihn in der Nacht El-Kadr offenbart." [1]. Sure 2,185 sagt, der Koran sei im Monat Ramadan herabgesandt worden [1]. Zugleich beschreibt der Text eine Offenbarung in Teilen: "Und wir haben den Koran in Abschnitte geteilt, damit du ihn den Menschen in Zwischenräumen vorliest; und wir sandten ihn nach und nach hinab." (Sure 17,106) [1]. Die ganze Sure 96 mit Einordnung findest du unter Sure 96.

Vom Vortrag zum Buch

Zu Lebzeiten Muhammads wurde der Text vor allem vorgetragen und auswendig gelernt. Nach islamischem Glauben konnte der Prophet weder lesen noch schreiben. Sekretäre hielten die Offenbarungen fest, und viele Gläubige kannten sie auswendig [2]. Als Schreibmaterial dienten nach dem Kleinen Islam-Lexikon Knochen, Palmrippen und Tierhäute [2].

Ein flacher Schulterknochen, getrocknete Palmrippen und ein Stück gerolltes Pergament auf einem rauen Holztisch im Lampenlicht
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Nach dem Tod des Propheten 632 sammelten zuerst Abu Bakr und Umar die Texte. Unter dem dritten Kalifen Uthman (644 bis 656) entstand die Fassung, auf der der heutige kanonische Text beruht [2]. Das Lexikon nennt auch offene Fragen der Forschung. Jemenitische Handschriften aus dem ersten islamischen Jahrhundert deuten darauf hin, dass der Wortlaut noch einige Zeit nach Uthman nicht überall einheitlich war, und eine textkritische Ausgabe mit allen Lesarten fehlt bisher [2]. Daran arbeitet das Projekt Corpus Coranicum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, das 2007 begann. Es dokumentiert den Korantext, wie er in Handschriften und mündlich überliefert ist, und kommentiert ihn als Textsammlung, die über etwa zwei Jahrzehnte entstand [5]. Mehr dazu steht auf der Seite Wie der Koran entstand und überliefert wurde.

Was im Koran steht

Das Kleine Islam-Lexikon nennt als Hauptthemen das Ende der Welt mit Gericht, Hölle und Paradies, Stoffe aus der Bibel, ethische Grundsätze, Rechtsvorschriften und die Auseinandersetzung mit dem Polytheismus, mit Judentum und Christentum sowie die Lehre vom einen Gott [2]. Auch die Formen wechseln: Drohreden, Strafgeschichten, Hymnen mit Schwurformeln, Gebete, Gleichnisse und Erzählungen stehen nebeneinander [2].

Der Koran ist nach dem Lexikon weder ein theologisches noch ein juristisches Lehrbuch. Er dient vor allem dem Vortrag im Gottesdienst und der Predigt. Genaue Rechtsvorschriften enthält er nur wenige, und das islamische Recht lässt sich nicht allein aus ihm ableiten [2]. Viele Themen sind nur angedeutet; für ihr Verständnis braucht man die Auslegung, die Koranexegese [2]. Einzelne Themen behandelt diese Website in eigenen Ratgebern, etwa Gebet, Fasten, Familie oder das Jenseits.

Lesarten, Auslegung und Forschung

Ganz einheitlich ist der überlieferte Wortlaut nicht. Nach dem Kleinen Islam-Lexikon gibt es Unterschiede in Aussprache, Schreibung und Satzbau, die auf verschiedene überlieferte Lesarten zurückgehen [2]. Neben der in Kairo gedruckten Fassung ist im Maghreb eine eigene, ebenfalls anerkannte Lesart in Gebrauch [2]. Schiiten gehen nach dem Lexikon davon aus, dass Stellen über Ali getilgt wurden; ihr Korantext entspricht aber dem der Sunniten [2].

Die islamische Auslegung kennt auch Verse, die durch später offenbarte Verse abgeschwächt, geändert oder aufgehoben wurden. Diese Lehre heißt Abrogation, arabisch naskh [2]. In der westlichen Forschung löste im Jahr 2000 das Buch "Die syro-aramäische Lesart des Koran" von Christoph Luxenberg eine Debatte über die Herkunft des Textes aus. Seine Thesen widersprechen der islamischen Überlieferung, und die deutsche Islamwissenschaft sieht sie nach dem Lexikon überwiegend kritisch [2].

Aufbau in Kürze

Die 114 Suren sind sehr unterschiedlich lang. Die längste hat 286 Verse, die kürzesten haben drei [4]. Jede Sure hat einen Namen, der meist auf ein Stichwort im Text zurückgeht, und alle Suren außer Sure 9 beginnen mit der Formel "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" [4, 1]. Nach dem Zeitpunkt der Offenbarung unterscheidet man mekkanische und medinensische Suren; eine genaue zeitliche Reihenfolge gilt nach dem Lexikon als unmöglich [4]. Die Metadaten des Projekts Tanzil ordnen 86 Suren Mekka und 28 Medina zu [7].

Für den Vortrag, etwa im Ramadan, ist der Koran in 30 etwa gleich lange Abschnitte geteilt [2]. Wie Suren, Verse und Abschnitte zusammenhängen, erklärt die Seite Aufbau des Korans.

Sprache und Übersetzung

Der Koran ist in Reimprosa geschrieben, arabisch sadsch. Die Verse haben kein festes Versmaß, ihre Enden reimen sich, und der Reim kann innerhalb einer Sure wechseln [2]. Muslime sehen in der sprachlichen Unnachahmlichkeit des Textes einen Beleg für seinen göttlichen Ursprung [2]. Der Koran selbst fordert Zweifler auf: "so bringt eine gleiche Sure hervor" (Sure 2,23) [1].

Ein Schreibrohr und eine kleine Schale mit schwarzer Tinte neben einem leeren cremefarbenen Blatt auf einem niedrigen Pult
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Übersetzungen verlieren nach dem Lexikon die Klangwirkung, und viele mehrdeutige Stellen lassen sich in einer anderen Sprache nicht offenhalten [6, 2]. Nichtarabischsprachige Muslime rezitieren den Koran deshalb auf Arabisch [6]. Die erste lateinische Übersetzung entstand 1142/43 durch Robert von Ketton, die erste deutsche Ausgabe erschien 1772 in Frankfurt am Main [6]. Zu den verlässlichen neueren deutschen Übersetzungen zählt das Kleine Islam-Lexikon die von Max Henning [6]. Seine Übersetzung von 1901 ist die Grundlage der Lesefassung auf dieser Website. Einen Vergleich der deutschen Übersetzungen bietet die Seite Koranübersetzungen auf Deutsch.

Der Koran im Alltag

Seit gut 1.400 Jahren ist der Koran nach dem Kleinen Islam-Lexikon das zentrale Dokument der islamischen Kultur [2]. Koranverse stehen an Moscheen, Schulen, Grabsteinen und in Wohnungen, und auf dem Gebiet der Kunst brachte die Kalligraphie Meisterwerke hervor [2]. Das Auswendiglernen und die genaue Überlieferung des Textes waren ein eigener Zweig der Gelehrsamkeit [2].

Auch der Umgang mit dem Buch selbst ist geregelt. Sure 56,79 sagt über den Koran: "Nur die Reinen sollen ihn berühren!" [1]. Nichtmuslimen ist es nach dem Kleinen Islam-Lexikon grundsätzlich untersagt, einen Koran zu berühren, wobei die Rechtsschulen hier uneins sind; besitzen oder herstellen dürfen sie ihn [2].

Gedruckt wurde ein arabischer Koran zum ersten Mal um 1537 in Venedig [2]. Die heute verbreitete Druckausgabe erschien am 10.07.1924 in Kairo, gedruckt in der Amiri-Druckerei in Bulaq unter Aufsicht von Gelehrten der Azhar [8]. Das bpb-Lexikon spricht von einer seit 1923 von der Azhar-Universität vertriebenen Ausgabe [2]. Sie folgt der Lesart des Hafs nach Asim und der kufischen Verszählung; nach ihr richtet sich die Zählung auf dieser Website [8]. Wer selbst lesen möchte, findet Hinweise auf der Seite Den Koran lesen. Wie die Bibel entstand, beschreibt die Schwesterseite Wie die Bibel entstanden ist.

  1. Der Koran (Übersetzung Max Henning, Reclam Leipzig 1901), Scan. Internet Archive. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Koran. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Offenbarung. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Sure. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Corpus Coranicum. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Koranübersetzung. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  8. Cairo edition. Wikipedia. Stand 28.08.2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.