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Jesus im Koran: was der Koran über Isa sagt

Im Koran heißt Jesus Isa und wird meist "Sohn der Maria" genannt. Der Koran nennt ihn Gesandten, Propheten, Messias, Wort und Geist von Gott, lehnt aber ab, dass er Gottes Sohn ist (Sure 4,171). Nach der verbreiteten islamischen Deutung von Sure 4,157 bis 158 wurde er von Gott erhöht und starb nicht am Kreuz.

Eine einzelne Dattelpalme an einer kleinen Quelle in einem stillen Wüstental bei Sonnenaufgang, reife Datteln hängen in Büscheln
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Der Koran erzählt an vielen Stellen von Jesus. Er heißt dort Isa, und der Koran nennt ihn oft zusammen mit seiner Mutter: "der Sohn der Maria" [2, 5]. Nach islamischer Lehre ist er einer der Propheten und kein Sohn Gottes [2]. Die Erzählungen über ihn stehen vor allem in den Suren 3, 4, 5 und 19. Die Koranzitate auf dieser Seite stammen aus der deutschen Lesefassung nach der Übersetzung von Max Henning (1901), der für Isa den deutschen Namen Jesus setzt [1]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut.

Name und Titel

Der Koran verwendet die Namensform Isa. Arabische Christen sagen dagegen meist Yasu [5]. In der Lesefassung steht der Name Jesus in 25 Versen aus 11 Suren, die Wendung "Sohn der Maria" in 20 Versen; das ist eine eigene Zählung in der Lesefassung, ohne die Stellen, an denen nur ein Fürwort steht [1]. Ein Vater wird nicht genannt.

Daneben trägt Jesus im Koran mehrere Titel. Er heißt Gesandter und Prophet, der Messias (arabisch al-Masih), ein "Wort" Gottes und "Geist von ihm" [2, 5]. Sure 4,171 fasst diese Titel in einem Satz zusammen: "Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der Gesandte Allahs und sein Wort, das er in Maria legte, und Geist von ihm." (Sure 4,171) [1]. Der Titel Messias steht in der Lesefassung in neun Versen, alle in den Suren 3, 4, 5 und 9; auch das ist eine eigene Zählung [1]. Was die Titel genau bedeuten, ist eine Frage der Auslegung. Das Kleine Islam-Lexikon versteht das "Wort" so, dass Jesus nach dem Koran durch ein Wort Gottes gezeugt wurde [2].

Ankündigung und Geburt

Zwei Suren erzählen, wie Maria die Geburt angekündigt wird. In Sure 3 sprechen Engel zu ihr, in Sure 19 sendet Gott "unseren Geist", der ihr "als vollkommener Mann" erscheint (Sure 19,17) [1]. Maria fragt in beiden Erzählungen, wie sie ein Kind bekommen soll, da sie kein Mann berührt hat. Die Antwort in Sure 3 lautet: "So schafft Allah, was er will; wenn er ein Ding beschlossen hat, spricht er nur zu ihm: 'Sei!' und es ist." (Sure 3,47) [1]. Sure 3,59 vergleicht Jesus deshalb mit Adam, den Gott aus Erde erschuf und ebenfalls durch das Wort "Sei!" ins Leben rief [1].

Reife braune Datteln auf einer geflochtenen Matte aus Palmblättern neben einem Wasserkrug aus Ton im warmen Nachmittagslicht
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Die Geburt selbst erzählt nur Sure 19. Maria zieht sich an einen entlegenen Ort zurück, die Wehen überkommen sie am Stamm einer Palme, und eine Stimme tröstet sie. Unter ihr fließt ein Bächlein, und vom Baum fallen reife Datteln (Sure 19,22 bis 26) [1]. Bethlehem, Josef, die Krippe und die Hirten kommen nicht vor [1, 3, 4]. Der Kommentar des Corpus Coranicum beschreibt, dass die geschichtliche Rahmung des Evangeliums, der Weg nach Bethlehem, entfällt und an ihre Stelle eine "mythische" Szene tritt. Ein ähnliches Palmenwunder steht im apokryphen Evangelium des Pseudo-Matthäus, dort aber auf der Flucht nach Ägypten [4]. Die Ankündigung an Maria hat dagegen eine deutliche Parallele im Lukasevangelium [4].

Als Maria mit dem Kind zurückkehrt, werfen ihr die Leute ihres Volkes ein Vergehen vor. Sie zeigt auf das Kind, und das Kind in der Wiege spricht: "Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten." (Sure 19,30) [1]. Die Rede Jesu in der Wiege erwähnt auch Sure 3,46 [1, 5]. Das "Buch" verweist nach dem Corpus Coranicum auf eine eigene Offenbarung an Jesus, die als gleichrangig mit Tora und Koran gilt [4]. An anderer Stelle nennt der Koran sie das Evangelium (Sure 5,46) [1].

Wunder und Botschaft

Der Koran berichtet von Wundern Jesu, die alle "mit Allahs Erlaubnis" geschehen. In Sure 3,49 kündigt Jesus an, er werde aus Ton die Gestalt eines Vogels formen, hineinhauchen, und sie werde ein Vogel; er werde Blinde und Aussätzige heilen und Tote lebendig machen [1]. Sure 5,110 zählt dieselben Wunder als Gnade Gottes auf [1, 5]. Die Jünger erscheinen in Sure 5 mit einer eigenen Bitte: Sie wollen, dass Gott einen Tisch vom Himmel herabsendet, und Jesus bittet darum, dass er "ein Festtag für uns werde" (Sure 5,114) [1].

Ein kleiner weißer Vogel fliegt von einer verwitterten Lehmmauer in einem sonnigen Innenhof auf, weiche Schatten
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Seine Botschaft fasst Jesus im Koran mit einem Satz, der mehrmals wiederkehrt: "Siehe, Allah ist mein Herr und euer Herr, darum dient ihm. Dies ist ein rechter Weg." (Sure 3,51) [1]. Nach dem Corpus Coranicum wurde dieser Satz zu einem festen Wahlspruch Jesu, der in den mekkanischen Suren 19 und 43 steht und in Medina bleibt (Sure 3,51 und 5,117) [4]. Nach Sure 5,46 bestätigt das Evangelium die Tora, die vor ihm war [1]. In Sure 61,6 kündigt Jesus einen Gesandten an, "der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmad ist" [1].

Kreuz und Erhöhung

Die Stelle über das Kreuz steht in Sure 4. Der Koran gibt dort eine Aussage von Gegnern wieder, sie hätten den Messias getötet, und widerspricht: "doch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten ihn nicht, sondern einen ihm ähnlichen" (Sure 4,157). Der folgende Vers sagt: "Sondern es erhöhte ihn Allah zu sich" (Sure 4,158) [1]. Henning ließ in Vers 157 eine Lücke, die die Lesefassung mit drei Punkten übernimmt [1].

Ein weiter Abendhimmel mit Wolkenschichten, die von der untergehenden Sonne angestrahlt werden, über dunklen Hügeln
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Nach islamischer Auffassung starb Jesus deshalb nicht am Kreuz [2]. Wie der Vers zu verstehen ist, haben die Ausleger unterschiedlich beantwortet. Nach der Ersatztheorie wurde einem anderen Menschen das Aussehen Jesu gegeben, und dieser wurde gekreuzigt. In der späteren Auslegung wird er oft mit Judas gleichgesetzt [5]. Eine andere Deutung versteht die Kreuzigung als bloßen Schein, Jesus sei zu Gott erhoben worden [5]. Schwierig ist die Frage, wie Sure 3,55 dazu passt. Dort sagt Gott: "O Jesus, siehe ich will dich verscheiden lassen und will dich erhöhen zu mir" (Sure 3,55) [1]. Der frühe Ausleger Muqatil deutete das Abberufen als Tod nach der Wiederkehr Jesu, andere Überlieferungen sprechen nur von einem Schlaf [5].

Nach dem Kleinen Islam-Lexikon wird die Wiederkunft Jesu am Jüngsten Tag erwartet. Er wird dann den Antichristen (ad-Daddschal) töten und für die Christen Fürsprache einlegen [2]. Der Koran selbst spricht davon nur andeutend. Sure 43,61 sagt über Jesus, er diene zum Wissen von der "Stunde", gemeint ist das Weltende [1, 4], und Sure 4,159 wird in der Auslegung auf seine Wiederkunft bezogen [5].

Kein Sohn Gottes

Der Koran achtet Jesus als Propheten und weist an mehreren Stellen zurück, dass er Gott oder Gottes Sohn sei [2]. Sure 4,171 endet mit den Worten: "Allah ist nur ein einziger Gott; Preis ihm, dass ihm sein sollte ein Sohn!" [1]. Sure 5,73 nennt die Aussage, Allah sei "ein Dritter von drei", Unglauben [1]. In Sure 5,116 fragt Gott Jesus, ob er die Menschen geheißen habe, ihn und seine Mutter "als zwei Götter neben Allah" anzunehmen, und Jesus verneint. Das Kleine Islam-Lexikon schreibt dazu, dass Sure 5,116 die christliche Dreieinigkeit als Gott, Jesus und Maria darstellt [3]. Sure 5,75 betont das Menschsein von Mutter und Sohn mit dem kurzen Satz: "Beide aßen Speise." [1]

Wie diese Stellen entstanden sind, untersucht das Corpus Coranicum an Sure 19. Danach erzählt der Grundtext der Sure Jesus als Vorbild reiner Frömmigkeit. Die Verse 34 bis 40, die ihn als "Sohn der Maria" und nicht als Gottes Sohn bestimmen, gelten dort als etwas späterer Zusatz, erkennbar an einem anderen Reim und am Wechsel von der Erzählung zur Auseinandersetzung [4].

Wie Jesus im Koran verstanden wird

Die klassische islamische Auslegung hat die knappen Verse mit Überlieferungen gefüllt. Dazu gehören die Ersatztheorie zum Kreuz und die Erwartung der Wiederkunft Jesu am Ende der Zeit [2, 5]. In der islamischen Mystik gilt Jesus nach dem Kleinen Islam-Lexikon als Lehrer der Weisheit und als Vorbild für Armut und Askese [2]. Der Name Isa ist auch unter Muslimen als Vorname verbreitet [2].

In der heutigen muslimischen Theologie in Deutschland hat sich der islamische Theologe Mouhanad Khorchide aus Münster ausführlich mit Jesus befasst. Zusammen mit dem katholischen Theologen Klaus von Stosch veröffentlichte er 2018 das Buch "Der andere Prophet. Jesus im Koran" [6]. Khorchide betont, dass Jesus im Islam als einer der wichtigsten Propheten gilt und im Koran als Zeichen Gottes beschrieben wird, aber einen anderen Rang hat als im Christentum [6]. Der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel beschreibt die islamische Sicht so: Die Geburt aus dem Geist zeigt dort die Einzigartigkeit und Macht Gottes [7].

Die Islamwissenschaft fragt vor allem, wie der Koran mit den Erzählungen seiner Umwelt umgeht. Der Kommentar des Corpus Coranicum zeigt an Sure 19 Bezüge zum Lukasevangelium und zu apokryphen Schriften, die der Koran kürzt und umdeutet. Die Bezeichnung Jesu als "Allahs Diener" (Sure 19,30) liest er als Betonung seiner menschlichen Natur [4]. Als Quelle der Erzählungen über Maria und die Kindheit gelten nach dem Kleinen Islam-Lexikon vor allem apokryphe christliche Texte wie das Protoevangelium des Jakobus [3].

Wie die Evangelien von Jesus erzählen, beschreibt die Seite Jesus von Nazareth in den Evangelien auf bibel.domain-root.de. Die Mutter Jesu hat auf diesem Portal eine eigene Seite: Maria im Koran. Den vollständigen Text der Sure mit der Geburtsgeschichte findest du unter Sure 19, die Tischerzählung und die Frage nach den zwei Göttern unter Sure 5. Welche anderen Propheten der Koran nennt, steht auf der Seite Die Propheten im Koran, ein Vergleich der gemeinsamen Geschichten auf Koran und Bibel.

  1. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Philipp Reclam jun., Leipzig; Scan im Internet Archive. Stand ohne Jahr (Vorwort 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Jesus. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Maria und Josef. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Sure 19 Maryam (Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand Betaversion. abgerufen am 29.10.2026
  5. ʿĪsā ibn Maryam. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Jesus in the Koran. Universität Münster, Exzellenzcluster Religion und Politik. Stand Juni 2018. abgerufen am 29.10.2026
  7. Maria im Koran: Einzige Frau, die der Koran mit Namen erwähnt. evangelisch.de (Judith Kubitscheck, epd). Stand 12.12.2024. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.