Wissen zum Koran: Aufbau, Entstehung, Übersetzungen

Der Koran ist die heilige Schrift des Islam; das arabische Wort bedeutet "Vortrag" oder "Lesung". Er hat 114 Suren, die nach islamischer Lehre Muhammad zwischen 610 und 632 offenbart wurden. Nach der Überlieferung geht die verbindliche Textfassung auf die Sammlung unter dem Kalifen Uthman (644 bis 656) zurück.

Ein stilles Studierzimmer mit hölzernem Lesepult, einem geschlossenen Lederband, einer Öllampe und gerollten leeren Pergamenten im Abendlicht
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Der Koran ist die heilige Schrift des Islam. Das arabische Wort bedeutet nach dem Kleinen Islam-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung "Vortrag" oder "Lesung"; daneben heißt er al-kitab, "das Buch", und ein geschriebenes Exemplar mushaf [1]. Nach islamischer Lehre empfing Muhammad die Offenbarungen zwischen 610 und 632, zuerst in Mekka und dann in Medina [1], vermittelt durch den Engel Gabriel [2]. Die Seiten in diesem Bereich erklären, wie der Text aufgebaut ist, wie er gesammelt und überliefert wurde und wie man mit Übersetzungen umgeht. Glaubensaussagen stehen dort als islamische Lehre, Ergebnisse der Forschung als Forschung. Einen ersten Überblick gibt die Seite Was ist der Koran?

Aufbau und Zählung

Der Koran hat 114 Suren [1]. Für den Vortrag, etwa im Ramadan, ist er zusätzlich in 30 ungefähr gleich lange Teile gegliedert [1]. Die heute verbreitete Zählung der Verse geht auf die Kairoer Ausgabe von 1924 zurück, die der Verszählung von Kufa folgt; die in Europa lange übliche Ausgabe von Gustav Flügel aus dem Jahr 1834 zählt anders [4]. Weil Max Henning nach Flügel übersetzte, tragen manche Verse in der Lesefassung zwei Nummern. Die Seite Aufbau des Korans erklärt Suren, Verse und die Leseabschnitte. Wie man eine Stelle in der Form "Sure 2,255" angibt, beschreibt die Seite über das Zitieren von Koranversen. Die Einteilung in mekkanische und medinensische Suren hat eine eigene Seite.

Entstehung und Überlieferung

Nach islamischer Überlieferung ließen Abu Bakr und Umar nach dem Tod des Propheten die aufgeschriebenen Texte sammeln. Unter dem dritten Kalifen Uthman, der von 644 bis 656 regierte, entstand daraus die Fassung, auf der der kanonische Text beruht [1]. Jemenitische Handschriften deuten nach demselben Lexikon darauf hin, dass der Wortlaut danach noch längere Zeit nicht überall einheitlich war [1]. Das Pergament des Tübinger Koranfragments Ma VI 165 stammt nach einer Radiokarbonmessung mit 95,4 Prozent Wahrscheinlichkeit aus den Jahren 649 bis 675 [5]. Seit 2007 dokumentiert das Corpus Coranicum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften den Text nach Handschriften und mündlicher Lesetradition [6]. Islamische Überlieferung und Forschung stehen getrennt auf der Seite Wie der Koran entstand und überliefert wurde. Wie die Bibel entstand, beschreibt bibel.domain-root.de.

Verwitterte leere Pergamentblätter und eine Schreibfeder aus Schilfrohr auf einem niedrigen Holztisch neben einem kleinen Tintentopf aus Ton
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Sprache und Übersetzungen

Den Stil des Korans kann eine Übersetzung nach dem Kleinen Islam-Lexikon oft kaum wiedergeben, und mehrdeutige Stellen gehen dabei zwangsläufig verloren [3]. Muslime, die kein Arabisch sprechen, rezitieren den Koran auf Arabisch, verstehen seine Bedeutung aber nach demselben Lexikon oft nicht oder nur ungefähr; dafür entstanden Übersetzungen zwischen den Zeilen, zuerst ins Persische [3]. Über die arabische Sprache des Textes und die Regeln des Vortrags informiert die Seite zur Sprache und Rezitation.

Die erste lateinische Übersetzung schuf Robert von Ketton 1142/43, allerdings nicht unmittelbar aus dem Original; die erste deutsche Ausgabe erschien 1772 in Frankfurt am Main [3]. Zu den verlässlichen neueren deutschen Übersetzungen zählt das Lexikon die von Henning, Khoury, Paret und Zirker [3]. Hennings Übersetzung von 1901 ist die Grundlage der Lesefassung auf dieser Website. Die bekannten deutschen Übersetzungen stellt die Seite Koranübersetzungen auf Deutsch im Vergleich vor.

Koran und Hadith

Neben dem Koran steht die Sunna, die prophetische Tradition. Sie ist nach dem Kleinen Islam-Lexikon die zweite Quelle religiöser Normen nach dem Koran [7]. Ihr Inhalt wurde in den Hadithen überliefert, die seit dem späten 9. Jahrhundert in großen, breit anerkannten Sammlungen vorliegen; für sunnitische Muslime fielen die Begriffe Sunna und Hadith mit der Zeit weitgehend zusammen [7]. Worin sich die beiden Quellen unterscheiden, erklärt die Seite Koran und Hadith.

Ein Vers und der Einstieg ins Lesen

Ein einzelner Vers hat eine eigene Seite, der Thronvers, Sure 2,255. In der Lesefassung beginnt er mit "Allah! Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen!" [8]. Wer selbst lesen möchte und nicht mit der langen Sure 2 beginnen will, findet Vorschläge auf der Seite über den Einstieg ins Koranlesen. Der letzte der 30 Leseteile beginnt mit Sure 78 und enthält die meist kurzen Suren bis zum Schluss [9].

  1. Behörde Koran. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Offenbarung. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Koranübersetzung. Bundeszentrale für politische Bildung (Marco Schöller, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Cairo edition. Wikipedia. Stand 28.08.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Rarität entdeckt: Koranhandschrift stammt aus der Frühzeit des Islam. Universität Tübingen, Pressemitteilung. Stand 10.11.2014. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Corpus Coranicum. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Sunna. Bundeszentrale für politische Bildung (Stefan Reichmuth, Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  8. Der Koran (Übersetzung Max Henning, Reclam Leipzig 1901), Scan. Internet Archive. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026

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