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Engel und Dschinn im Koran

Engel sind im Koran Diener und Boten Gottes; der Glaube an sie gehört nach Sure 4,136 zum Glauben. Die Dschinn sind nach Sure 55,15 aus rauchlosem Feuer erschaffen und sollen wie die Menschen Gott dienen (Sure 51,56); unter ihnen gibt es Gläubige und Ungläubige (Sure 72). Iblis, der sich weigerte, sich vor Adam niederzuwerfen, gehört nach Sure 18,50 zu den Dschinn.

Weiche Lichtstrahlen fallen durch Öffnungen in der Decke einer weiten Kalksteinhöhle, Staub glitzert in der Luft
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Neben Menschen und Tieren nennt der Koran zwei Arten von Geschöpfen, die der Mensch nicht sieht: Engel und Dschinn. Der Glaube an die Engel gehört zu den Grundsätzen des Islams [2]. Sure 4,136 zählt ihn zu dem, woran die Gläubigen glauben: "Wer nicht glaubt an Allah und seine Engel und die Schriften und seine Gesandten und an den jüngsten Tag, der ist weit abgeirrt." [1]. Die Dschinn stammen nach dem Kleinen Islam-Lexikon aus der Vorstellungswelt des alten Arabien und stehen im Koran zwischen Menschen und Engeln [3]. Die Zitate auf dieser Seite stammen aus der deutschen Lesefassung nach der Übersetzung von Max Henning (1901) [1]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut.

Engel im Koran

Engel kommen im Koran oft vor. In der Lesefassung steht das Wort in 91 Versen aus 38 Suren; das ist eine eigene Zählung [1]. Henning nennt Sure 35 nach ihnen "Die Engel" [1]. Ihr erster Vers beschreibt sie als Boten mit Flügeln. Gott ist dort der, "der die Engel zu Boten macht, versehen mit Flügeln in Paaren, zu dritt und zu viert" (Sure 35,1) [1]. Nach islamischer Vorstellung sind Engel aus Licht erschaffen. Ihre Aufgaben sind das Lob Gottes, die Ausführung seines Willens und die Mitwirkung bei der Offenbarung und beim Jüngsten Gericht. Sie schützen die Menschen, überwachen sie aber auch, verhören und strafen sie [2].

Weiße Federn schweben langsam im warmen Morgenlicht über einem ruhigen Meer unter einem zarten Pastellhimmel
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Der Koran zeigt Engel in mehreren Rollen. Bei der Erschaffung des Menschen fragen sie Gott, warum er einen auf der Erde einsetzen will, "der auf ihr Verderben anstiftet und Blut vergießt" (Sure 2,30) [1]. Über das Höllenfeuer sind nach Sure 66,6 Engel gesetzt, "die gegen Allahs Befehl nicht widerspenstig sind und tun, was sie geheißen sind" [1]. In der Nacht der Bestimmung steigen nach Sure 97,4 "die Engel und der Geist" herab [1]. Der Koran weist außerdem die Vorstellung zurück, Engel seien weiblich oder Töchter Gottes (Sure 37,149 bis 150; 53,27) [1].

Gabriel, Michael und andere

Gabriel und Michael nennt der Koran gemeinsam in Sure 2,98 [1]. Gabriel ist nach Sure 2,97 derjenige, der dem Verkünder den Koran "mit Allahs Erlaubnis" ins Herz gab [1]. Das Kleine Islam-Lexikon nennt Gabriel, arabisch Dschibril, den bedeutendsten Engel, der die Worte Gottes an die Propheten überbringt [2]. In Sure 43,77 rufen die Verdammten: "O Malik, dass doch dein Herr ein Ende mit uns machte!" [1].

Andere Engel kennt der Koran nur nach ihrer Aufgabe. Sure 32,11 spricht vom "Engel des Todes, der mit euch betraut ist" [1]. Die Volksfrömmigkeit nennt ihn Izrail [2]. Sure 82,10 bis 12 spricht von Hütern über den Menschen, "Edle, schreibende, Welche wissen, was ihr tut" [1]. Die Verse nennen sie nicht ausdrücklich Engel. Wichtig sind in der Volksfrömmigkeit auch die Schutzengel, die jeden Menschen begleiten, und zwei Engel, die die Toten im Grab nach ihrem Glauben befragen [2]. Eine eigene Erzählung gehört zu Harut und Marut, zwei Engeln in Babel. Nach Sure 2,102 lehrten sie niemanden, ohne vorher zu sagen: "Wir sind nur eine Verführung; sei daher kein Ungläubiger." [1]. Eine Verehrung der Engel wie in der katholischen Kirche kennt der Islam nicht [2].

Iblis und die Satane

Die bekannteste Erzählung mit Engeln handelt von Adam. Gott befiehlt den Engeln, sich vor dem Menschen niederzuwerfen, den er aus Lehm erschaffen hat. Alle gehorchen außer Iblis. In der Lesefassung steht diese Szene an sieben Stellen (eigene Zählung), etwa in Sure 2,34, 7,11 bis 18, 15,28 bis 43 und 38,71 bis 85 [1, 4]. Iblis begründet seine Weigerung: "Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn aber erschufst du aus Ton." (Sure 7,12) [1]. Gott verflucht ihn, gewährt ihm aber auf seine Bitte Aufschub bis zum Tag der Auferstehung. Bis dahin darf er die Menschen verführen, außer Gottes lauteren Dienern (Sure 15,36 bis 40) [1, 4].

Ob Iblis ein Engel ist oder ein Dschinn, ist umstritten, und der Koran gibt nach dem Kleinen Islam-Lexikon Gründe für beide Deutungen [4]. Die Erzählung beginnt mit einem Befehl an die Engel, und Iblis wird als einziger Ausnahme genannt. Sure 18,50 sagt dagegen über ihn, "welcher von den Dschinn war" [1]. Seine Hauptmerkmale sind Hochmut und Ungehorsam [4]. Mit dem bestimmten Artikel ist "der Satan" nach dem Lexikon gleichbedeutend mit Iblis, dem Eigennamen des Teufels; ohne Artikel bezeichnet das arabische Wort für Satan eine Art Geist aus dem vorislamischen Glauben [4]. Der Koran spricht deshalb auch von vielen Satanen, etwa in Sure 7,27: "Siehe, wir machten die Satane zu Beschützern der Ungläubigen." [1].

Die Dschinn

Die Dschinn sind nach dem Koran vor den Menschen und aus anderem Stoff erschaffen. Sure 15,27 sagt: "Und die Dschinn erschufen wir zuvor aus dem Feuer des Samum." Sure 55,15 spricht von "rauchlosem Feuer" [1]. Wie die Menschen sollen sie Gott dienen: "Und die Dschinn und die Menschen habe ich nur dazu erschaffen, dass sie mir dienen." (Sure 51,56) [1]. In der Lesefassung steht das Wort Dschinn in 27 Versen aus 16 Suren, dazu viermal die Form Dschann in Sure 55 und zweimal die Form Dschinni (Sure 34,8 und 34,46); das ist eine eigene Zählung [1].

Dschinn können glauben oder nicht glauben. Wie die Menschen können sie nach dem Kleinen Islam-Lexikon durch die Annahme des Islams ins Paradies gelangen [3]. Am Gerichtstag spricht Gott nach Sure 6,128 die "Schar der Dschinn" an, und die ungläubigen unter ihnen kommen ins Feuer [1, 6]. Der Koran kritisiert Menschen, die Dschinn neben Gott verehren (Sure 6,100) oder bei ihnen Zuflucht suchen (Sure 72,6) [1]. Die letzte Sure des Korans bittet um Schutz vor dem Einflüsterer "Vor den Dschinn und den Menschen" (Sure 114,6) [1]. In der Geschichte von Salomo arbeiten Dschinn für den König, und einer von ihnen, ein Ifrit, bietet an, ihm den Thron der Königin von Saba zu bringen (Sure 27,39; 34,12 bis 14) [1].

Sure 72: Dschinn hören den Koran

Eine ganze Sure trägt den Namen der Dschinn. Sie beginnt mit dem Bericht, dass eine Schar von ihnen dem Koran zuhörte: "Siehe wir haben einen wunderbaren Koran gehört, Der zum rechten Weg leitet; und wir glauben an ihn" (Sure 72,1 bis 2) [1]. Die Dschinn erzählen weiter, dass sie früher am Himmel lauschten und ihn nun "voll von strengen Hütern und Schnuppen" fanden (Sure 72,8) [1]. Sie sagen über sich selbst: "Und unter uns sind die einen rechtschaffen die anderen nicht" (Sure 72,11) [1]. Eine ähnliche Szene steht in Sure 46,29: Eine Schar Dschinn hört den Koran und kehrt "als Warnende" zu ihrem Volk zurück [1].

Helle Sternschnuppen ziehen über einen tiefblauen Nachthimmel oberhalb stiller Wüstendünen
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Der Kommentar des Corpus Coranicum ordnet Sure 72 der späten mittelmekkanischen Zeit zu [5]. Er erklärt die Szene vor dem Hintergrund der frühen Auseinandersetzungen: Die Gegner warfen dem Verkünder vor, er sei wie ein Dichter von Dschinn eingegeben oder besessen. Die Sternschnuppen, die die Dschinn vom Himmel fernhalten, kennt schon die frühere Sure 37,6 bis 10 [5].

Wie Engel und Dschinn verstanden werden

Nach dem Kleinen Islam-Lexikon sind Existenz und Wirken der Engel auch heute weithin selbstverständliche Tatsache, ihre Schmähung gilt als Gotteslästerung [2]. Von den Dschinn glaubt man, dass sie Menschen beeinflussen oder von ihnen Besitz ergreifen können. Sie erscheinen unsichtbar oder in Gestalt von Tieren, als Wind oder als Mensch [3]. Die islamische Mystik hat die Weigerung des Iblis auch anders gedeutet: als strenge Befolgung des Verbots, neben Gott ein anderes Wesen zu verehren. Oft wird Iblis auch mit der triebhaften Seele des Menschen gleichgesetzt, und die symbolische Steinigung des Satans gehört zu den Riten der Pilgerfahrt [4]. Es gab auch Zweifel: Der Gelehrte al-Dschahiz bezweifelte die Existenz der Dschinn, und al-Masudi erklärte Begegnungen mit ihnen aus Einsamkeit und Furcht [6].

Im modernen Islam gehen die Meinungen auseinander. Modernistische Denker des frühen 20. Jahrhunderts lehnten den Glauben an Dschinn oft als Aberglauben ab und deuteten das Wort als Bezeichnung für Unsichtbares. Der Reformer Muhammad Abduh deutete Mikroben als Dschinn. Salafistische Gelehrte lehnen solche Deutungen ab und halten Dschinn für wirkliche Wesen [6]. Wie verbreitet der Glaube ist, zeigt eine Umfrage des Pew Research Center von 2012 in 23 Ländern: In 13 davon glaubt mehr als die Hälfte der befragten Muslime an Dschinn, in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas reichen die Werte von 86 Prozent in Marokko bis 55 Prozent im Irak [7].

Die Islamwissenschaft fragt, woher die Vorstellungen stammen. Die ältere Forschung sah in den Dschinn Wüstengeister des alten Arabien [5]. Der Kommentar des Corpus Coranicum hält sie für näher verwandt mit den Geistwesen der Umwelt, den griechischen pneumata und den hebräischen shedim, und übersetzt das Wort mit "Dämonen", weil die Form "Dschinn" folkloristisch klinge [5]. Nach dem Kleinen Islam-Lexikon wirkte auf die spätere Vorstellung vom Besessensein auch der griechische Glaube an Genien ein [3].

Wie die Bibel von Engeln erzählt, beschreibt die Seite Engel in der Bibel auf bibel.domain-root.de. Den vollständigen Text findest du unter Sure 72 und Sure 35. Warum der Glaube an Engel zu den Glaubensinhalten gehört, erklärt die Seite Glaube im Koran, die Erschaffung von Himmel, Erde und Mensch die Seite Schöpfung und Natur im Koran.

  1. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Philipp Reclam jun., Leipzig; Scan im Internet Archive. Stand ohne Jahr (Vorwort 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Engel. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stephan Guth). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Dschinn. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Katharina Boehm). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Satan. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Gottfried Hagen). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Sure 72 al-Dschinn (Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand Betaversion. abgerufen am 29.10.2026
  6. Dschinn. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie The World's Muslims: Unity and Diversity, Chapter 4: Other Beliefs and Practices. Pew Research Center. Stand 09.08.2012. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.